Kirche mit neuem Turm

Wandlitz (moz) Die Silhouette der evangelischen Kirche im alten Dorfkern von Wandlitz mutete in den vergangenen Wochen etwas seltsam an. Bauarbeiter hatten den Dachreiter auf der Turmspitze entfernt, um ihn sanieren zu können. Seit Freitag ist das Gotteshaus nun wieder vollständig. Ein Kran setzte das fehlende Teil wieder auf die Spitze. Damit sind die Bauarbeiten an der Außenhülle für dieses Jahr abgeschlossen.

 
Frage der Technik: Zum Aufsetzen des neuen Kirchturms der evangelische Kirche in Wandlitz spielte Drehorgelspieler Dietmar Jarofke auf.
Foto: MOZ/Sergej Scheibe

"Es war Gefahr im Verzug, die Konstruktion drohte einzustürzen", erklärte Pfarrerin Janet Berchner. Deshalb habe alles ganz schnell gehen müssen. "Es konnten nicht einmal Fördermittel beantragt werden." Den Großteil der 125 000 Euro, die die Arbeiten am Turm gekostet haben, finanzierte die Kirchengemeinde deshalb selbst. 10 000 Euro gab der Landkreis Barnim dazu.

Das Abnehmen der Spitze sei nötig gewesen, um grundlegende Reparaturen durchführen zu können, so Architekt Andreas Nisse. Denn die statische Konstruktion im Innern sei in der Vergangenheit immer wieder nur notdürftig geflickt worden und nicht mehr stabil. "Das Holz musste zu
90 Prozent ersetzt werden", erläuterte der Architekt weiter.

Die Schieferschindeln wurden sogar vollständig ausgetauscht. An ihnen hatte die Witterung kräftige Spuren hinterlassen, so dass sie nicht mehr abdichteten und die Holzkonstruktion darunter in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Ebenfalls ersetzt wurde die Kugel auf der Spitze des Reiters. Sie war während des Krieges von einer Maschinengewehrsalve durchsiebt worden. Pfarrerin Janet Berchner bestückte sie nun mit einer Märkischen Oderzeitung, einem Gemeindeblatt sowie Euro-Münzen, und alten DDR- und D-Mark-Stücken für die Nachwelt. Die soll sich frühestens in 50 bis 100 Jahren wieder an dem Turm zu schaffen machen. So lange, schätzt Architekt Nisse, werde das Bauwerk nun wieder ohne Schäden überstehen.

Überstanden hat die Turmspitze im Übrigen auch das Aufsetzen wenn auch mit einigen Schwierigkeiten. So wog der Dachreiter vor der Sanierung etwa 4,5 Tonnen, danach schätzten Experten das Gewicht auf 6,5 Tonnen. Als der Kran allerdings über 11 Tonnen anzeigte, musste das Aufsetzen kurzfristig abgebrochen werden. Erst im zweiten Versuch, mit zusätzlichen Gegengewichten am Kran, klappte es.

Im nächsten Jahr soll nun auch das Dach des Kirchenschiffs saniert werden. Die Kosten dafür liegen etwa im gleichen Rahmen.

Märkische Oderzeitung vom 26. Juni 2010

   Zur Artikelübersicht