Schwingungen lösen Einsturz aus

Dörrwalde Die Kirche Dörrwalde (Dorfkirche des Monats Mai 2010) begeht am 31. Juli um 13 Uhr mit einem Konzert, einer kleinen Ausstellung mit Bildern vom eingestürzten Kirchturm sowie einem Kuchencafé die Feierlichkeiten zum 600-jährigen Bestehen.

 
Der Kirchturm wurde an der Seite völlig aufgerissen.
Foto: Archiv

Gleichzeitig erfolgt an diesem Tag der erste Spatenstich für den Wiederaufbau des ehemaligen Kirchturms. Vor 35 Jahren war der Glockenstuhl einseitig ausgebrochen. Einen Tag später war der stark beschädigte Kirchturm in Dörrwalde niedergerissen worden

Evangelischen Kirchenmitglieder und Bürger von Dörrwalde, darunter die Pfarrerin Dorothea Lange-Seifert und Astrid Subatzus, werden beim Spatenstich ihren Dank zum Ausdruck bringen. Viele Jahre warten die Einwohner von Dörrwalde auf die Wiedererrichtung des Kirchturmes, um die beiden Glocken aufzunehmen. Bisher liegen sie vor der Kirche.

Standfestigkeit verloren

Am Freitag, dem 17. Januar 1975, war winterliches Wetter, nicht zu kalt und kein Schnee. Die Glocken im erbauten Glockenstuhl von 1766 bis 1768 hatten die Mittagszeit eingeläutet. Die Schwingungen der beiden Glocken im 242 Jahre alten Glockenstuhl, der Holzwurm hatte seinen Teil dazu beigetragen, erschütterten nach zweieinhalb Stunden die Standfestigkeit, so dass ein Teil des Kirchturms einstürzte. Die zwei Glocken wurden unbeschädigt unter den eingestürzten Trümmern gefunden.

Die in der Nähe wohnenden Einwohner sind durch ein heftiges Getöse sowie von einer Staubwolke auf ein unvorstellbares Geschehen aufmerksam geworden. Sie konnten nicht begreifen, was geschehen war, bis man das Loch im Kirchturm sah. Verletzt wurde niemand.

Hilfsmeldung am Nachmittag

Im Feuerwehkommando in Senftenberg ging um 14.45 Uhr eine Hilfemeldung ein. Die Einsatzkräfte rückten sofort aus. Die Drehleiter wurde angefordert, um die Standfestigkeit der Kirchturmspitze mit dem Glockenstuhl zu überprüfen. Es wurde festgestellt, dass eine Einsturzgefahr besteht. Am Sonnabend waren die Feuerwehrmänner Raddatz und Dietsch mit der Drehleiter erneut an der Einsatzstelle.

Bei einer Standortberatung mit staatlicher Bauaufsicht, Rat des Kreises Senftenberg, Stadtbauamt Großräschen, Polizei, Vertreter vom Braunkohlenkombinat Senftenberg (BKK), der Feuerwehr, Gemeindevertreter, Wehrleiter und dem Pfarrer wurde entschieden, den Kirchturm abzureißen, da die Standfestigkeit nicht mehr gegeben war.

Zwei Raupen aus dem Tagebau Sedlitz mit Zugseilen wurden angefordert. Bis zum Eintreffen der Raupen wurde die Drehleiter in den Glockenstuhl eingefahren, um zu prüfen, wo die Zugseile befestigt werden können. Dies war eine gefährliche und wacklige Angelegenheit. Ein Zugseil wurde an der Turmspitze und das zweite am Glockenstuhl angebracht. Eine schwierige Aufgabe für den Feuerwehmann war, auf der freistehenden Drehleiter die Seile nach oben zubringen und zu befestigen.

Staub wirbelte auf

Die Raupen zogen die Seile an, der Turm stürzte ein. Eine Staubwolke wirbelte auf. Es kam zu keinen Schäden im Umkreis. Die Aufräumungsarbeiten und das Bergen der Glocken lagen schließlich in der Verantwortung der Mitarbeiter beim damaligen Rates der Stadt.

Lausitzer Rundschau vom 03. Juli 2010

   Zur Artikelübersicht