Die Glocken läuten wieder in Saathain

"Wo ich meinen Kirchturm sehe, da bin ich zu Hause. Ab heute sehen wir unseren Kirchturm nicht nur, ab heute hören wir ihn auch wieder", freute sich René Herrmann von der Saathainer Kirchgemeinde am Sonntagvormittag am Fuße der Fachwerkkirche. In einem für alle Saathainer denkwürdigen Augenblick wurden anschließend vom Vorsitzenden des Fördervereins Gut Saathain, Joachim Pfützner, per Fernbedienung nacheinander die zwei neuen und die restaurierte alte Glocke erstmals gemeinsam zum Läuten gebracht.

 
Nach der Einweihung des Glockengeläutes in der Fachwerkkirche durften die Saathainer die neue Anlage bestaunen.
Fotos: Veit Rösler
Viele wollten miterleben, wie das neue Glockengeläut in der Saathainer Fachwerkkirche in Betrieb genommen wurde.

Insgesamt 45 000 Euro wurden über den Förderverein aus verschiedenen Förderquellen in das 2007 begonnene Projekt investiert. Etwa 15 000 Euro wurden außerdem von der Gemeinde Röderland bisher in den Turm investiert. Ab Herbst 2010 sollen weitere 100 000 Euro in die Sanierung des Kirchturmes fließen, erklärte Bauamtsleiter Günter Heller. Während einer kleinen Feierstunde mit einem von Musikschülern gestalteten Konzert ließ Joachim Pfützner in der voll besetzten Kirche noch einmal die Geschichte der drei Glocken Revue passieren.

Seit 1994 konnten die Glocken nicht mehr geläutet werden. Dafür gab es mehrere Gründe. Der für jedermann sofort sichtbare war der desolate Zustand des Glockenstuhles, der vollständig durch einen neuen ersetzt werden musste. Entsprechende Begutachtungen durch Sachverständige ließen keine andere Lösung zu. Es waren drei Glocken vorhanden, aber es stellte sich bei genauem Hinsehen heraus, dass nur die kleine Bronzeglocke aus der Zeit um etwa 1500 erhaltenswert war und deshalb restauriert werden sollte. Im Jahre 1958 waren zusätzlich zu der alten Bronzeglocke zwei weitere Eisenhartgussglocken, damals zum Preis von 638 und 320 Mark, eingebaut worden. Diese sollten die zwei im Ersten Weltkrieg 1917 eingeschmolzenen Bronzeglocken ersetzen. Eisenhartgussglocken seien nach dem Krieg als Ersatz anstelle von Bronzeglocken wegen des damals fehlenden Materials gegossen worden, erklärte Joachim Pfützner weiter. Der Klang sei nicht so schön wie der von Bronzeglocken, und die Haltbarkeit sei begrenzt. So könnten sogar unvorhersehbar während des Läutens Risse und Sprünge entstehen. Es gab auch hier die klare Empfehlung der Glockensachverständigen, diese Glocken durch Bronzeglocken zu ersetzen. Der Förderverein Gut Saathain setzte sich deshalb im Jahre 2007 per Beschluss der Mitgliederversammlung das Ziel, eine Rekonstruktion von Glocken und Glockenstuhl in der Fachwerkkirche auf den Weg zu bringen. Es sei ein langer und mühsamer Weg gewesen, bevor die notwendigen denkmalrechtlichen Genehmigungen durch das Landesamt für Denkmalpflege, die Untere Denkmalbehörde und die Gemeinde vorlagen. In diesem Zusammenhang wurde der Auflage entsprochen, eine bauliche und statische Gesamtbegutachtung des leicht schief stehenden Glockenturmes vorzunehmen. Dieses Gutachten zeigte umfangreiche Schäden am Turm, die inzwischen, das Fachwerk betreffend, mit bloßem Auge wahrgenommen werden können. In einem ersten Schritt mussten deshalb in diesem Umfang nicht kalkulierte Instandsetzungen an den Zwischendecken des Turmes und am Dachstuhl der Kuppel vorgenommen werden.

Auch der Nachweis, dass die Gemeinde Saathain und nunmehr die Gemeinde Röderland, die per Vertrag die Nutzung an den Förderverein übertragen hat, rechtmäßiger Eigentümer der Kirche ist, musste nochmals geführt werden. In der Chronologie wurde am 12. September 2008 von den Mitarbeitern der Heidenauer Glockenläute und Elektroanlagen GmbH das Abhängen der alten Glocken vorgenommen. Danach erfolgten der Rückbau des alten Glockenstuhls und umfangreiche Sanierungsarbeiten im Glockenturm. Der neue Glockenstuhl aus Eiche wurde im November 2008 eingebaut.

Die Rekonstruktion der kleinen Bronzeglocke erfolgte in Nördlingen. Im Mai 2009 wurden in der Kunstgießerei Lauchhammer die zwei neuen Glocken gegossen. Im Mai 2010 erfolgte die Montage der Glocken im Glockenstuhl und die Installation neuer Glockenläutemaschinen. Die Glocken sollen im Rahmen einer Läuteordnung zukünftig zu weltlichen und kirchlichen Anlässen erklingen.

Von Veit Rösler

Lausitzer Rundschau vom 06. Juli 2010

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