SANIERUNG: 500 Jahre alte Fugen noch intakt

Bauarbeiten an den Türmen der Nikolaikirche haben begonnen / Plattform erhält Hinweistafel

JÜTERBOG - Pfarrer Bernhard Gutsche ist zufrieden. Die Restaurierungsarbeiten am Südturm der St. Nikolaikirche in Jüterbog haben begonnen, die erste Bauphase der Sanierung beider Turmspitzen läuft. "Die Schäden an den Turmspitzen wurden rechtzeitig erkannt", sagt der Pfarrer, "so ist der Umfang der Arbeiten noch überschaubar."

Die Pfeiler und Platten haben ziemlich gelitten. Sie bestehen aus Sandstein, einem Material, das sehr oft verwendet wurde. Doch Sandstein verwittert. In jüngerer Zeit haben auch Umwelteinflüsse dem Baumaterial ziemlich zugesetzt. Das kann auch durch den sogenannten sauren Regen kommen. Der entsteht, wenn Chemikalien in die Atmosphäre gelangen und sich im Regen sammeln. Vor allem nach Westen zu, der Wetterseite des Turmes, gibt es Schäden.

Bei den Pfeilern liegt die Sache anders. "Wir vermuten, dass es vielleicht durch eine Lastenverschiebung des Turmes zu den Rissen gekommen ist", sagt Bernhard Gutsche. Am schlimmsten sind aber die Fugen betroffen. Die sind so ausgewaschen, dass auf jeden Fall Handlungsbedarf besteht.

Eine Überraschung gab es beim Begutachten der Fugen. Im Gegensatz zu den vor etwas über 30 Jahren verwendeten Materialien, die jetzt ersetzt werden müssen, haben sich Verfugungen erhalten, die über 500 Jahre alt sind. Wie die mittelalterlichen Kirchenbauleute das geschafft haben, ist für die heutigen Fachleute weitgehend ein Rätsel.

Die andere Turmspitze wird in einer zweiten Bauphase saniert. Hier ist das Dach noch in gutem Zustand. Hauptsächlich der Wandputz bedarf einer Überholung. Auch kleinere Metallarbeiten stehen an, und das Ziffernblatt der Uhr wird erneuert.

Der dritte Bauabschnitt wird die Besucherplattform und den Treppenaufgang zur Plattform betreffen. Vorrangig werden Arbeiten zur Sicherung durchgeführt. Dazu wird das Abdichten von Rissen im Boden der Plattform gehören. Auch muss die Schweißnaht zwischen dem Handlauf des Geländers und dem Geländer selbst erneuert werden. Um die Attraktivität der Besucherplattform weiter zu erhöhen, hat sich Pfarrer Gutsche etwas Besonderes ausgedacht. Am Ausguck der Kirche soll eine Tafel mit Gelände- und Ortsangaben der von oben zu sehenden Flächen und Objekte angebracht werden. Gute Aussichten also für die Türme und auch für die Besucher, die sie nach der Sanierung wieder besteigen werden. (Von Michael Helm)

Märkische Allgemeine vom 09. Juli 2010

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