BAUEN: Endspurt bei Kirchensanierung in Güterfelde

Zweiter Bauabschnitt am Kirchenschiff in Angriff genommen / Am 3. Oktober soll Abschluss der Arbeiten gefeiert werden

GÜTERFELDE - Das kommende Erntedankfest am 3. Oktober soll für die Güterfelder ein ganz besonderes Ereignis werden. "Wir wollen an diesem Tag den Abschluss der Sanierungsarbeiten an unserer Dorfkirche feiern", sagt Pfarrer Helmut Kulla. Vor wenigen Tagen wurde das Gotteshaus erneut eingerüstet. Nach der Fertigstellung des Turmes ist nun das Kirchenschiff Betätigungsfeld der Maurer und Zimmerleute. Dieser zweite Bauabschnitt soll Mitte September beendet sein.

Insgesamt werden am Ende der Sanierungsarbeiten, die im Jahr 2007 begonnen haben, rund 330 000 Euro in das historische Gebäude im Dorfzentrum geflossen sein. Der Innenraum hat bereits sein ursprüngliches Aussehen zurückerhalten, spätere Zutaten zum Beispiel aus DDR-Zeiten sind beseitigt worden. Dieser erste Schritt hat 60 000 Euro gekostet.

Im vergangenen Jahr mussten weitere 175 000 Euro in die Hand genommen werden. Die weltliche Gemeinde Stahnsdorf steuerte 50 000 Euro bei. Die Kirchturmsanierung erwies sich als aufwändig, weil sich in der Außenmauer noch Risse befanden, die nach Bombenabwürfen im Zweiten Weltkrieg entstanden waren. Inzwischen schweben wieder Kreuz und Kugel über dem Kirchturmdach.

Die Arbeiten am Kirchenschiff betreffen laut Pfarrer Kulla besonders den Dachstuhl und die Decke. Sparren und Balkenköpfe müssen erneuert werden. Das äußere Mauerwerk werde neu verfugt, am Ende wird das Dach eine originale Bibereindeckung erhalten. "Bei der Apsis bin ich ein wenig nervös", gesteht der Pfarrer. Dieser älteste Teil der Kirche ist mit Schiefer gedeckt. "Man kann nie wissen, was zutage tritt, wenn das Dach geöffnet wird. Da könnte es durchaus Überraschungen und Probleme geben." Der zweite Bauabschnitt kostet 100 000 Euro, die weltliche Gemeinde steuerte 25 000 Euro bei. Landeskirche und Kirchenkreis tragen den Hauptteil der Kosten, "nicht zu vergessen die Spenden, die wir einwerben konnten", so Kulla.

Nach Beendigung der Sanierung können Güterfelder und Gäste wieder eine der markantesten Gotteshäuser der Region bewundern. Prägnant ist insbesondere der mächtige Turm. Die Kirche, die im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammt, hatte im 19. Jahrhundert bereits den märkischen Dichter Theodor Fontane in seinen "Wanderungen" begeistert. Er besichtigte die Kirche und erkannte "an den sauber behauenen Feldsteinquadern, an der Form der Apsis, an der geknickten Dachfirst-Linie leicht den Cistercienser-Bau". Fontane bezeichnete die Kirche als "Herz von Gütergotz". Die Güterfelder hoffen, dass es bald wieder richtig zu schlagen beginnt. (Von Jürgen Stich)

Märkische Allgemeine vom 15. Juli 2010

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