KIRCHE: Absturzgefahr gebannt

Turmspitze des Haager Gotteshauses schwebte gestern am Kranhaken zur Erde / Andacht am Montag

HAAGE - Wahre Schätze hielt Friesacks Pfarrer Mathias Wohlfahrt gestern Nachmittag in Haage in den Händen. Darunter waren alte Zeitungen von 1931 und 1962, Münzen von 1922, Fotos und Lagepläne. Das älteste Dokument stammt von 1840. Alles zusammen befand sich in der Kugel der Kirchturmspitze.

An einem großen Kran schwebte der Sechs-Tonnen-Koloss gestern zur Erde, dirigiert von Kranführer Karsten Teger. Zahlreiche Schaulustige sahen dabei zu, wie er die desolate Holzkunstruktion sanft neben dem Turm abstellte. Zuvor hatten Mitarbeiter der Zimmerei Döring sowie der Haager Landwirt Roland Selent mit seinen Mitstreitern die nötigen Vorbereitungen getroffen.

Die Turmspitze musste heruntergenommen werden, weil Absturzgefahr bestand. Dies hatte im Mai vergangenen Jahres ein Gutachten ergeben. Seither war der Bereich um den Turm abgesperrt, durfte der Friedhof ab Windstärke 6 nicht mehr betreten werden. Gottesdienste fanden aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht mehr statt in der Kirche, die Glocken blieben stumm. Nach Stürmen lagen oft Teile der Dacheindeckung, Putz und Steine um Fuße des Turmes.

Für Zimmerer Thorsten Döring war es "höchste Zeit", dass die Spitze herunter kam. Seien doch unter anderem die Auflagebalken verfault, das Dach ist nicht mehr dicht und es sei insgesamt die Standsicherheit der Konstruktion gefährdet. Ginge es nach Pfarrer Wohlfahrt, hätte die gestrige Aktion schon deutlich früher erfolgen sollen. Doch bislang fehlte das Geld dafür. Die nötigen rund 13 000 Euro kamen nun von der Landeskirche, dem Kirchenkreis Nauen-Rathenow und der Kirchengemeinde Haage.

Sobald am Montag das Notdach aufgesetzt ist, soll es am Abend um 18.30 Uhr in der Kirche eine Andacht mit Orgelmusik geben. Nach Ansicht von Wohlfahrt ist es ganz wichtig, dass die Haager jetzt wieder zum Gottesdienst in ihre Kirche gehen können. Denn nachdem der Ort vor drei Jahren seinen Status als Pfarrdorf verloren hatte und jetzt ein Jahr die Kirche gesperrt war, habe Haage stark an Bedeutung verloren. So ist der Pfarrer dafür dankbar, dass man zumindest für einige Veranstaltungen wie dem Weihnachtsgottesdienst oder der Goldenen Konfirmation das Dorfgemeinschaftshaus in der Birkenstraße nutzen konnte.

Letztlich war es nur der Dachschalung zu verdanken, dass die Kirchturmspitze, die bei Stürmen stark schwankte, überhaupt noch steht. Dies geht aus dem Gutachten hervor. Wann die Spitze wieder restauriert ist, kann auch Mathias Wohlfahrt nicht sagen. Dies hängt letztlich wieder mal vom Geld ab. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 17. Juli 2010

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