BAUEN: Ein neues Dach aufs alte Gotteshaus

Seegefelder Kirchengemeinde nimmt ihr nächstes Bauvorhaben in Angriff: Der instabile Dachstuhl wird ersetzt

FALKENSEE - Vollkommen leer präsentiert sich die Seegefelder Kirche. Dort, wo die frisch restaurierte Kanzel die Wand aus Feldsteinen schmückte, sieht man nur noch deren Umrisse, die sich als rissige Schmutzfläche vom hellen Putz abheben. Gestühl, Taufstein und Altar sind in den vergangenen Tagen ausgelagert worden. Die kostbare barocke Stuckwand mit Wappen und Epitaphien, welche Kirchenschiff vom Turmraum trennt, ist eingehaust. Auch die Schuke-Orgel (Baujahr 1956) verschwand unter einer schützenden Holzbretterverkleidung, wobei die Potsdamer Orgelbaufirma selbst Hand anlegte. Denn was jetzt kommt, würde dem Instrument nicht guttun.

Jetzt wird die Kirche Baustelle. Der Dachstuhl auf dem Längs- und Querschiff muss erneuert werden. Dafür wurden durch das Bundesbauministerium 222 300 Euro aus dem Konjunkturpaket II bewilligt. Das heißt, sie waren eigentlich für neue Fenster, die Trockenlegung des Gemäuers, die Installation einer Fußbodenheizung und die Freilegung mittelalterlicher Fresken gedacht. Bis, ja bis die Experten des Ingenieurbüros für Baustatik und Sanierungsplanung aus Hoppegarten im Vorjahr bei einer Tiefenprüfung feststellten, dass die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion nicht mehr gewährleistet ist. Die Enttäuschung in der Gemeinde war groß, denn erst vor zwei Jahrzehnten war der Dachstuhl saniert worden. Doch offenbar nicht fachgerecht. "Man arbeitete eben mit dem Material, was verfügbar war", sagte Pfarrerin Gisela Dittmer. Sie wartet zurzeit noch auf das Gutachten der Holzspezialisten. Denn die Denkmalschützer legen Wert darauf, dass Balken, die noch gesund sind, auch wieder eingebaut werden.

Derweil hat die Potsdamer Baufirma Roland Schulze damit begonnen, die Ziegel abzutragen. Diese Woche wird das Innengerüst montiert.

"Wir hoffen, den Gottesdienst zum Advent wieder in der Kirche feiern zu können", sagte die Pfarrerin am Freitag, als sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner, die die Fördergelder vermittelt hatte, über den Bauanlauf informierte. Die Gemeinde plant auch, am Ende dieser Bauphase den Innenraum dann wieder so zu gestalten, wie er schon einmal bis zu den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt war: der Altar an der Ostseite, daneben die Kanzel und der Taufstein. Damit würden 40 bis 50 Sitzplätze mehr geschaffen. Und das ist für eine wachsende Gemeinde eine nicht unwichtige Nebenwirkung. (Von Hiltrud Müller)

Historisches:

Die Kirche wird erstmals 1313 erwähnt, ihre Wurzeln reichen bis Mitte des 13. Jahrhunderts zurück.
Der Patron von Seegefeld, Hans-Georg von Ribbeck II. (1601-1666), stiftet 1662 Altar, Taufe und Kanzel.
Nord- und Südschiff werden in märkischer Backsteingotik 1742 unter Hans-Georg von Ribbeck V. (1728-1784) angebaut, samt Wappen und Epitaphien. Hm

Märkische Allgemeine vom 20. Juli 2010

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