Bundesgeld für die Heilandskirche

Potsdam profitiert von zweitem Welterbeprogramm / Stiftung feiert Jubiläum

 
Blickfang: Die Heilandskirche in Sacrow wird mit Bundesgeld saniert.
Foto: A. Klaer

Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum des Ritterschlags durch die Unesco darf sich Potsdam über Geld aus einer Neuauflage des Welterbestättenprogramms freuen.

2,4 Millionen Euro schüttet der Bund; wie berichtet, von dem 70-Millionen-Euro-Paket für insgesamt neun Projekte in Potsdam und Berlin aus. Der größte Posten, fast 1,6 Millionen Euro, fließt in Berliner Vorhaben der Schlösserstiftung. Doch 865 000 Euro bekommt Potsdam ab. Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) benannte gestern auf PNN-Anfrage erstmals die konkreten Projekte. Im Wesentlichen soll das Geld dort eingesetzt werden, wo derzeit bereits die 3,5 Millionen Euro aus dem ersten Welterbestättenprogramm investiert werden. 270 000 Euro bekomme die Bornstedter Kirche, deren Hüllensanierung damit komplett finanziert sei, so Klipp. Auf dem Jüdischen Friedhof, wo bereits Geld für die Sanierung des Friedhofswärterhauses fließt, werden weitere 135 000 Euro für zusätzliche Sanierungsmaßnahmen eingesetzt. Außerdem gibt es Geld für die Gestaltung der Außenanlagen der Villa Tieck im Park Sanssouci die Villa selbst wird ebenfalls mit Mitteln aus dem ersten Welterbe-Paket saniert.

Der größte Posten mit 324 000 Euro allerdings kommt der Heilandskirche Sacrow zugute. Mit dem Geld solle die Fassade des Campanile, des frei stehenden Turms der Kirche, instand gesetzt werden, sagte Klipp. Außerdem soll die Innensanierung der Kirche endlich abgeschlossen werden, ein bisschen Geld ist noch übrig, um den Zustand der Fassade des Kirchenschiffs zu untersuchen.

Insgesamt seien 20 Projekte eingereicht worden, neun habe der Bund bewilligt. "Das ist eine Super-Quote", sagte der Baudezernent. Die zusätzliche Förderung schließe noch offene Lücken in der Finanzierung bereits begonnener Vorhaben. Wie beim ersten Fördertopf müsse Potsdam auch hier einen zehnprozentigen Eigenanteil leisten, etwa 90 000 Euro. "Das schaffen wir aber", so Klipp.

Noch mit dem ersten Welterbe-Geld wollen Stadt und Schlösserstiftung bekanntlich ein touristisches Wegeleistsystem bezahlen. Bis zum Jahresende solle das Konzept stehen, 2011 gehe es an die Umsetzung, sagte Heinz Buri, Marketingchef der Stiftung, den PNN. Es gehe dabei um ein Leitsystem unter dem Werbelabel Unesco, "das Touristen vom Hauptbahnhof bis direkt an die Schlosskasse führt", erklärte Buri. Der Marketingeffekt eines Welterbedenkmals könne kaum überschätzt werden, sagte er.

Noch immer keine Einigung gibt es in der Frage der Pufferzonen, die im unmittelbaren Welterbe-Umfeld zu dessen Schutz eingerichtet werden und in denen besonders strenge Bau-Richtlinien gelten sollen. Laut Klipp geht es vor allem um Fristen. Das Landesdenkmalamt und die Stiftung müssten ein Konzept entwickeln, wie sie im gesetzlich vorgegebenen Zeitrahmen ihre Stellungnahmen zu Bauprojekten verfassen könnten. Weil dies noch nicht geschehen sei, könne die Vereinbarung noch nicht unterzeichnet werden, sagte er. "Wir arbeiten daran."

Den Ritterschlag durch die Unesco hatten die Potsdamer und Berliner Schlösser vor 20 Jahren erhalten. Am kommenden Sonntag soll das groß gefeiert werden. Gemeinsam mit der "Weissen Flotte" hat die Stiftung eine Jubiläumsrundfahrt aufgelegt, die den Besuchern per Schiff die Schönheit des Potsdamer Welterbes nahebringen soll. Daneben gibt es Erklärungen von Experten vor Ort und Musik.

Peer Straube

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 22. Juli 2010

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