DENKMAL: Dem Schwamm auf der Spur

Seit Mitte Juli wird das Dach der Vehlefanzer Kirche repariert / Beginn von Großsanierung

VEHLEFANZ - Behutsam lässt Thomas Köhler seine Hand unter die Plane gleiten. Dann greift er in einen Balken und reißt an dem Holz. Kurz darauf hat der Vehlefanzer Pfarrer papierähnliche und durchfressene Fasern in der Hand. Feuchtigkeit, Fäulnis und der Schwamm haben sichtbar an der Dachkonstruktion der Vehlefanzer Kirche genagt. Vor allem die beiden umlaufenden Balken, die auf den Grundmauern aufliegen, sind teilweise stark zersetzt. Auf der Nordwestseite der Kirche ist das Ausmaß der Schäden derzeit gut sichtbar. Dort haben Handwerker bereits die Ziegelsteine sowie die morschen Balken entfernt.

Die Arbeiten am Dach der Kirche markieren den ersten Abschnitt einer Sanierung, die die nächsten acht Jahre andauern soll. "Eine Kirche ist eben nicht für die Ewigkeit gebaut", sagt Pfarrer Thomas Köhler, der im September seine Stelle als neuer Superintendent in Lübben antritt.

Neben dem Dach sollen in den nächsten Jahren auch die Fassade, die Bänke und die Temperierung der Kirche wieder in Ordnung gebracht werden. Außerdem wird der südliche Anbau saniert. "Das Holz der Fachwerkkonstruktion ist dort wahrscheinlich sehr kaputt", weiß Köhler dank einiger stichprobenartiger Untersuchungen. Doch ein ganz genauer Einblick war nicht möglich. An vielen Stellen wird das Ausmaß des Reparaturbedarfs erst nach Beginn der Arbeiten zu erkennen sein.

Insgesamt soll die Sanierung 1,1 Millionen Euro kosten, allein in diesem Jahr werden 140 000 Euro für das Dach verbaut. "Einen erheblichen Teil kosten die neuen Ziegel. Sie müssen aus einer Brennung stammen, sonst sind die Ziegel nicht gleich", erklärt Köhler. Kostenintensiv sind auch die neuen Balken der Kirche. Sie sind nicht mehr aus Eichenholz, sondern aus Kiefernholz. "Eiche ist einfach nicht bezahlbar", sagt der Pfarrer.

Die dicken Kiefernbalken werden nun in den nächsten Wochen an den oberen nicht beschädigten Teil der Eichenbalken "angeflanscht". Dabei werden die Balken ineinander gesteckt und Schrauben verbunden. Denn die Holzkonstruktion kann nicht komplett ausgetauscht werden. Vor allem auf den beschädigten umlaufenden Balken ruhen zum Beispiel die Holzbretter, die die Decke des Kirchenraums tragen.

Überall wo die Arbeiter nun die Balken austauschen, müssen sie also ganz behutsam die Statik der Decke beachten. Die Last der gerade ausgebauten Balken muss auf umliegende verlagert werden. So rücken die Arbeiter Stück für Stück auf der Nordwestseite vor. "Wenn wir gut sind schaffen wir die gegenüberliegende Seite noch in diesem Jahr", hofft Thomas Köhler. Beide Seiten werden dann auch mit neuen Ziegeln eingedeckt.

Die zweite Hälfte der Dachsanierung ist für das nächste Jahr eingeplant. Doch sicher ist nichts, denn in die Konstruktion konnten die Planer vorher nicht schauen. "Den aktuellen Zustand muss man einfach aus der Nähe sehen. Eigentlich müsste man alle Leute mal hier nach oben kommen lassen, aber das geht nicht", erklärt Köhler.

Für die Vehlefanzer Kirche ist die Sanierung übrigens die größte seit knapp 250 Jahren. Zwar wurde in den 1970er Jahren das Dach gedeckt und 1996/97 der Turm saniert, doch die Kosten des jetzigen Vorhabens sind viel höher. "Das ist das größte Bauvorhaben im Kirchenkreis in den letzten Jahren", sagt Köhler, der in den nächsten Jahren bestimmt den Baufortschritt trotz seiner neuen Aufgabe in Lübben verfolgen wird. (Von Max Zimmermann)

Märkische Allgemeine vom 27. Juli 2010

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