In zwei Jahren steht der Dörrwalder Kirchturm

Dörrwalde. Anlässlich der Dörrwalder 600-Jahr-Feier ist der symbolische erste Spatenstich zum Wiederaufbau des Kirchturms (s. Dorfkirche des Monats Mai 2010) getätigt worden. Die eigentlichen Arbeiten sollen im Oktober beginnen und im Jahr 2012 abgeschlossen sein.

 
Der ehemalige Dörrwalder Ortsvorsteher Manfred Hamann (r.) führte zur 600-Jahr-Feier zahlreiche Gäste durch die Dorfkirche. Diese wurde im Jahr 1767 erbaut.
Foto: T. Richter

Als Brigitta Roick, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, den ersten Spaten schwang und ihr eine ganze Mannschaft aus Politikern, Kirchenleuten, Architekten und Bauexperten folgte, konnte Manfred Pfeiffer nicht anders: Der Großräschener nahm seinen kurz zuvor für eine Spende erworbenen Mini-Spaten und grub den Kies um. Dabei schien er richtig gerührt. "Vor fast genau 50 Jahren, am 9. Juli 1960, wurden meine Frau und ich in der Dörrwalder Kirche getraut. Damals haben noch die Glocken im Turm geläutet. Deshalb ist es heute ein bewegender Moment für mich", erklärt Pfeiffer. Zwar hielt diese Ehe kein Leben lang, aber im kommenden Jahr wird der Großräschener mit seiner zweiten Frau Silberhochzeit feiern.

Wie ein Geschichtshauch

Seit dem Winter 1975 gibt es in Dörrwalde keinen Kirchturm mehr. Vor 35 Jahren wurde das stark beschädigte Bauwerk abgerissen. "Der Turm passte nicht in die Ideologie der damaligen Machthaber. Doch die Geschichte ging wie ein Hauch über die Täter hinweg", erklärte Superintendent Michael Moogk in seiner Predigt. Moogk erinnerte die rund 50 Kirchgänger an das Jahr 1767, als 30 Dörrwalder Bauern innerhalb weniger Monate den Turm errichteten.

Ganz so schnell wird es mit dem jetzt angeschobenen, originalgetreuen Wiederaufbau wohl nicht gehen. Nach Angaben der Lautaer Architektin Kerstin Berthold könnte der Turm im Jahr 2012 fertiggestellt sein. Bis dahin seien noch einige Hürden bei verschiedenen Ämtern zu nehmen.

Der "richtige" Wiederaufbau starte bereits im Oktober 2010. Als erstes würde die provisorische Abdeckung des Turmstumpfes aus den 1970er-Jahren entfernt. "Bis Weihnachten wird das Bauwerk noch nicht an Höhe gewonnen haben", so Berthold. Erst in zwei Jahren werde der Turm 32 Meter ins Land ragen.

Fast ein Wunder

Immerhin gleiche es bereits einem Wunder, dass die Dörrwalder überhaupt ihr Wahrzeichen zurückbekämen. Nach Angaben von Landrat Siegurd Heinze (parteilos) war es überaus schwer, für das Vorhaben Fördergelder zu akquirieren. Seines Wissens nach handelt es sich um den derzeitig einzigen Kirchturmneubau in Südbrandenburg. Insgesamt würden über eine halbe Million Euro investiert.

Wenig Hoffnung auf Förderung gibt es dagegen für den geplanten Aufbau des Kirchturms in Hermsdorf bei Ruhland. Laut Hans-Joachim Thierbach vom Verein "Energieregion im Lausitzer Seenland" ist dort die von den Fördermittelgebern geforderte multikulturelle Nutzung nicht gegeben. So könne beispielsweise die Hermsdorfer Kirche aufgrund des unmittelbar daneben befindlichen Friedhofes kaum für andere Veranstaltungen als Gottesdienste und Trauerfeiern genutzt werden. "Wir geben aber den Hermsdorfer Kirchturm keinesfalls auf", gab sich Thierbach betont optimistisch.

Von Torsten Richter

Lausitzer Rundschau vom 02. August 2010

   Zur Artikelübersicht