Eine Kirche und ihre Besonderheiten

von Doris Ritzka

 
Vor dem Brand im Jahre 1915 sah der Altar so aus.
Privat
Der Altar, wie er sich heute dem Betrachter bietet, ist fast identisch mit dem historischen.

DERGENTHIN - Die Dergenthiner Kirche ist eingerüstet, Handwerker steigen ihr im wahrsten Sinne des Wortes aufs Dach. Für zirka 145 000 Euro soll sie saniert und der Holzwurmbefall im Kircheninnenraum bekämpft werden. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege wies bereits mit Nachdruck auf die Notwendigkeit dieser Arbeiten hin, denn durch den Anobium punctatum, den Gemeinen oder Gewöhnlichen Nagekäfer, sei die Substanz des Innenausbaus bedrohlich gefährdet, ist von Albrecht Preisler, Pfarrer der Kirchgemeinde, zu erfahren.

"Die Entstehungszeit des spätgotischen einschiffigen Kirchengebäudes, das aus einem einzigen, saalartigen Raum besteht, wird auf das 15. Jahrhundert geschätzt. Errichtet wurde es in klassischer Bruch- und Feldsteinbauweise", berichtet Pfarrer Preisler. Allerdings ist das Gotteshaus, wie es sich heute dem Betrachter bietet, weitaus jüngeren Datums. Bei Arbeiten vergaß 1915 ein Orgelbauer eine Kerze zu löschen. Das Feuer vernichtete die Kirche bis auf die Grundmauern.

Nach Brand neobarocker Wiederaufbau

Die Gemeinde wollte aber auf ihr Gotteshaus nicht verzichten und beschloss, jenes original getreu wieder aufzubauen. Eine Stange Geld ließ sie sich das offensichtlich kosten, so Pfarrer Preisler. "Was in den 1920er Jahren entstand, war neogotisch, der Innenausbau der Dergenthiner Kirche hingegen wurde neobarock. Nur noch zwei weitere Kirchen dieser Art gibt es in der Prignitz bzw. in Ostprignitz-Ruppin", berichtet er und verweist auf eine Reihe von Besonderheiten, die die recht imposante Dergenthiner Dorfkirche aufweist. "Sie liegen vor allem im Detail", fügt Preisler an. Das hölzerne Tonnengewölbe wurde von dem Berliner Kirchenmaler Erich Kistenmacher ornamental gestaltet. Wer weiß, wo er seinen Blick hinwenden muss, der erkennt, dass eines der Ornamente die Kirche zeigt, wie sie 1915 in Flammen steht.

Einen gewissen Seltenheitswert weist auch die neue Patronatsempore auf. Sie ist nur von außen zu erreichen. Anders als der Vorgängerbau wurden hier aber kleine Feldsteine verwandt und ein Fachwerkgiebel ausgearbeitet. Im Inneren der Kirche erhielt die Patronats empore die Wappen der in Dergenthin einst ansässigen Adelsgeschlechter - von Platen, von Wilamowitz-Moellendorf, von Wartenberg.

Ein Schmuckstück in der Kirche ist zweifelsohne der barocke Altar, der von seinem Vorgänger kaum zu unterscheiden ist. Und auch die Orgel, die derzeit nicht mehr bespielbar ist, ist dennoch ein Hingucker, schon wegen ihrer Größe. Es ist eine Schuke-Orgel aus der bekannten Potsdamer Orgelbauanstalt.

Ein Kleinod, das im Zuge der Sanierung auch restauriert werden soll, sind die Fenster rechts und links des Altars. Ihre Besonderheit besteht darin, dass hier der Schmerz Jesu Christi und dessen Auferstehung im Kontext zum ersten Weltkrieg dargestellt ist. Mit Unterstützung der Sparkasse Prignitz, die 5000 Euro zur Verfügung stellte, können die Fenster in alter Schönheit wiederentstehen.

Der Prignitzer vom 10. August 2010

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