Auf Gottes Hilfe angewiesen

Chorin (moz) Jetzt hilft nur noch Beten. "Und die Bewilligung des Fördermittelantrags", sagt Bianka Wrensch vom Gemeindekirchenrat Golzow. Das Dach des Gotteshauses ist akut einsturzgefährdet. Wenn nicht schnell etwas passiere und mit der Sanierung begonnen werde, dann ist die Kirche von Golzow vielleicht "schon bald Geschichte".

 

Eigentlich ist es bereits fünf nach zwölf für das Gotteshaus in Golzow, sind sich Bianka Wrensch vom Gemeindekirchenrat und Thomas Polster vom Heimatverein einig. Das Schadensbild an den Dachtragwerken im Kirchenschiff sei so massiv, dass "das Dach jederzeit zusammenkrachen kann". Bauphysikalisch sei es fast schon ein Wunder, dass die Konstruktion noch hält, so Polster. Aufgrund der gravierenden statischen Probleme habe der Architekt Bedenken in puncto Nutzung angemeldet.

Die Kirchengemeinde reagierte prompt: "Momentan finden keine Gottesdienste in Golzow statt", so Wrensch. Die Christen des Dorfes müssen dafür nach Joachimsthal fahren. Und an den Weihnachtsgottesdienst, bei dem die Golzower Kirche bislang "immer brechend voll war", mag Bianka Wrensch noch gar nicht denken.

Es regiert das Prinzip Hoffnung in dem Choriner Ortsteil. Hoffnung darauf, dass der Fördermittelantrag, den der Gemeindekirchenrat für das EU-Programm "Integrierte Ländliche Entwicklung" (ILE) in Kürze einreichen will, bewilligt wird. Eigens dafür hat die Gemeinde Chorin jetzt mit der Kirchengemeinde eine Nutzungsvereinbarung geschlossen. Danach darf die weltliche Gemeinde im Gotteshaus etwa Konzerte, Lesungen oder Seminare veranstalten. "Es geht um ein funktionierendes Dorfzentrum. Es macht doch keinen Sinn, wenn wir nebenan eine Ruine haben", sagt Polster, gleichzeitig Gemeindevertreter. Die Bedeutung des Gotteshauses gehe über die Kirche hinaus. "Es ist dorfbildprägend", so der Abgeordnete. Mehr noch: Mit ihrem 63 Meter hohen Turm, dem höchsten im Altkreis Eberswalde, ist die Golzower Kirche schon aus der Ferne sichtbar.

Bereits Mitte vorigen Jahres hatten Gemeindekirchenrat und Heimatverein die Aktion "Denkmal in Not" gestartet, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Gemeinsam wurden erste Veranstaltungen organisiert. Dies auch mit dem Ziel, Eigenmittel für die dringend notwendige Reparatur und Sanierung einzuwerben. "Bislang haben wir rund 20 000 Euro zusammenbekommen", sagt Bianka Wrensch und bestätigt, dass die Golzower, gleich ob Christen oder Nichtchristen, sich für ihre Kirche im Dorf einsetzen.

Unterdessen hat die Kirchengemeinde ihrerseits Hausaufgaben erledigt. "Wir haben das Pfarrhaus verkauft. Damit sind wir nun schuldenfrei", so Wrensch. Die Kirchengemeinde hatte nach der Wende für die Modernisierung des Pfarrhauses, vor allem für die Herrichtung der Pfarrers-Wohnung, bekanntlich "einen großen Kredit aufgenommen", erinnert Wrensch. Um dennoch nicht ganz ohne räumliches Angebot dazustehen, habe man gleichzeitig die ehemalige Schmiede, den alten Jugendklub von der Gemeinde Chorin gekauft. Vor wenigen Tagen seien die Verträge wirksam geworden. "Jetzt ist alles unter Dach und Fach", ist Wrensch ob dieses Teilerfolgs froh. Die alte Schmiede müsse "nur" noch hergerichtet werden. "Ich denke, ab September ist sie nutzbar." Auch für Gottesdienste, wenngleich der Raum allenfalls 20 Besucher fasst.

Am 19. August kommen Vertreter der Kirche, der Gemeinde, des Architekturbüros, Gutachter erneut zusammen. Dann sollen aktuelle Zahlen und Berechnungen sowie Unterlagen vorgelegt werden. Diese seien eine weitere Voraussetzung für den Fördermittelantrag. Vorsichtige Kostenschätzungen gehen derzeit von etwa 300 000 Euro für die Sanierung aus, so Wrensch und Polster. Viel Geld, doch nichts im Vergleich zu einer eingestürzten Kirche. "Wenn dieser Antrag nicht genehmigt wird, haben wir verloren", ist das Duo sicher.

Märkische Oderzeitung vom 10. August 2010

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