BAUEN: Ein neuer Helm für den Kirchturm

Einwohner sammeln Spenden für das Roddaner Gotteshaus

RODDAN - Mit viel Ausdauer verfolgen Einwohner von Roddan (Amt Bad Wilsnack-Weisen) das Ziel, dass die Fachwerkkirche im Dorf ihren Turmhelm zurückerhält. Ende der 1970er, vielleicht auch Anfang der 1980er Jahre war dieser aus Sicherheitsgründen abgetragen worden.

Bereits 1994 sprachen sich bei einer Unterschriftensammlung 40 Roddaner für die Rekonstruktion aus. Seitdem wurden dafür bei Dorffesten und anderen Anlässen Spenden gesammelt, allerdings hatte lange Zeit die Instandsetzung des Gotteshauses Vorrang. Mittlerweile sind der fehlende Fußboden und die Bänke ersetzt sowie der Altar restauriert und vieles mehr gemacht worden. "Es ist wieder eine richtig schmucke Kirche", freut sich Marianne Dieter, die dem Gotteshaus gegenüber wohnt. Nachdem die Renovierung abgeschlossen ist, werden Kräfte für das Projekt Turmhelm frei.

Der zwiebelförmige Aufbau war nachträglich auf den Turm der 1680 errichteten Fachwerkkirche gesetzt worden. Die Zeichnung dafür stammt von 1912. Marianne Dieter fände es schön, wenn 2012 also 100 Jahre nach der Baugenehmigung für den Turmhelm, der 1913 fertiggestellt wurde dieser rekonstruiert würde. Ob das finanziell machbar ist, steht noch nicht fest. Für das Projekt sollen bei ihrem Sommerfest (siehe Info-Kasten) am 21. August erneut Spenden gesammelt werden.

Dass die Einwohner in der Lage sind, sogar fast aussichtslose Vorhaben zu verwirklichen, zeigt die Instandsetzung des Gebäudes. Mit dem Umfang dieser Baumaßnahme ist die Turmrekonstruktion nicht vergleichbar. Auch nicht mit dem Wiederaufbau der Kirchturmspitze in Putlitz, die 140 000 Euro kostete. "Putlitz ist eine andere Größenordnung", sagt Achim Muxfeldt, der sich ebenfalls für die Kirche engagiert. Er verweist auf die geringe Grundfläche des Turms, die lediglich vier mal 1,5 Meter beträgt. In einem nächsten Schritt wird es darum gehen, die Statik berechnen zu lassen. Diese würde die Grundlage für eine Kostenschätzung und für das Beantragen von Fördermitteln bilden.

Um die Kirche bekannt zu machen, präsentierten die Roddaner ihr Gotteshaus zu einem Tag des offenen Denkmals. Für das nächste Jahr haben sie sich für die Benefizkonzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" beworben. Eine Besonderheit ist der stehende Taufengel. Er hält in seinen Händen ein muschelförmiges Gefäß zur Aufnahme der Taufschale. Die Bänke, die sich jetzt in der Kirche befinden, stammen aus einem Berliner Gotteshaus. Die alten Bänke waren entfernt worden, nachdem es 1977 einen Beschluss gab, das baufällige Gebäude abzureißen. Dieser Beschluss wurde zum Glück nie umgesetzt.

Die Kirche kann nach Anmeldung besichtigt werden, 03 87 91/ 64 85. Unter dieser Telefonnummer gibt es außerdem nähere Informationen über ein Spendenkonto für den Turm. (Von Axel Knopf)

Sommerfest wird am 21. August gefeiert:

Die Kirche wird auf das Jahr 1680 datiert. Die Jahreszahl steht auf einem Balken (Foto) an der Südseite des Gebäudes.
Ein Sommerfest wird am Sonnabend, 21. August, in Roddan gefeiert. Die Feier beginnt um 14 Uhr mit einem Familiengottesdienst in der Kirche.
Unterm Pavillon treffen sich um 15 Uhr alle Gäste zum Kaffeetrinken. Die Besucher erwartet selbstgebackener Kuchen aus dem Buschbackofen. Es gibt ein Kinderprogramm und eine Tombola. Außerdem können die Gäste kegeln.
Der Wald rückt ab 16 Uhr in den Mittelpunkt. Mitarbeiter der Oberförsterei Bad Wilsnack präsentieren eine Ausstellung am "Rastplatz Storch".
Line-Dancers aus Glöwen treten um 18 Uhr auf der Tanzfläche in der Nähe des Buschbackofens auf.
Gemütlich soll das Sommerfest ab 19 Uhr ausklingen. Zum Abschluss gibt es deftiges Essen aus dem Buschbackofen. Zu der Veranstaltung laden der Gemeindekirchenrat sowie weitere Einwohner aus dem Dorf ein.

Märkische Allgemeine vom 12. August 2010

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