Eine Spitze für das Schmuckstück

von Birgit Hamann

 
Barockes Kleinod: Das Kirchlein in Roddan punktet nicht nur mit seiner Fassade, sondern auch mit seinem Interieur, z.B. den bemalten Deckenbalken, einem sehenswerten Schnitzaltar und einem stehenden Taufengel.
Birgit Hamann (2)
Diese Altarbibel von 1770 tauchte vor kurzem wieder auf. Marianne Dieter hält das wertvolle Stück in den Händen.
Der Bildausschnitt aus einer historischen Fotografie zeigt, wie die Turmhaube ursprünglich aussah.
privat

RODDAN - Es ist noch gar nicht so lange her, da diskutierte man ernsthaft den Abriss der Roddaner Kirche. Das baufällige Gotteshaus sollte dem Erdboden gleich gemacht werden - obwohl es soweit gar nicht hätte kommen müssen. "Es gab damals eine Instandhaltungsrücklage. Aus der hätte man zumindest die notdürftigsten Arbeiten bestreiten können", meint Marianne Dieter. Sie lebte zu dieser Zeit - in den 80er Jahren - zwar noch nicht hier, versucht aber, bestimmte Vorgänge für sich zu rekonstruieren, um sie besser verstehen zu können.

Sie als Aktivistin für den Roddaner Barockbau zu bezeichnen, ist sicher nicht zu hoch gegriffen. Lieber bleibt sie mit ihrem Engagement im Hintergrund. Nun aber tat sie doch einmal mehr den Schritt an die Öffentlichkeit und informiert darüber, dass auch die Roddaner gern die ursprüngliche Turmspitze wieder auf ihrem 1680 erbauten Kirchlein hätten. Jetzt, da es so eindrucksvoll restauriert ist, wäre dies das i-Tüpfelchen. Roddan befindet sich mit der Initiative in guter Gesellschaft: Nicht weit entfernt, in Groß Lüben, sind Förderverein und Kirchengemeinde seit Jahren mit einem ähnlichen Projekt beschäftigt. Auch die katholische Kirche in Wittenberge soll ihre alte Kirchturmspitze wiederbekommen. Den Zieleinlauf bereits geschafft hat Putlitz: Dort wurde dem Kirchturm im Juli dieses Jahres die Spitze wieder aufgesetzt.

Marianne Dieter reklamiert für Roddan: "Wir waren die Ersten in der Prignitz." Schon im November 1994 wurde in einem Schreiben an den Gemeindekirchenrat und den Pfarrer das Ziel fixiert, das ursprüngliche Aussehen der Kirchturmspitze auf jeden Fall wiederherzustellen - irgendwann einmal. Wichtiger war jedoch zunächst, das Bauwerk als Ganzes zu sichern und Stück für Stück zu sanieren.

Inzwischen sind die Planungen für die Turmspitze konkreter, auch, weil vor kurzem die Original-Baugenehmigung mit entsprechenden Zeichnungen auftauchte. "Wir würden das gern 2012 oder spätestens 2013 geschafft haben", sagte Marianne Dieter gestern im Gespräch mit dem "Prignitzer". Dann würde sich Erschaffung des Turmes zum 100. Mal jähren. Die Bauzeichnung stammt aus dem Jahre 1912, fertig wurde das Konstrukt 1913. Neben Eigenmitteln der Gemeinde gab es auch damals schon "Sponsorengelder" und "Fördermittel". So ist beispielsweise belegt, dass das königliche Konsistorium in Berlin 400 Mark beisteuerte, vom damaligen Patronatsherren von Jagow kamen 280 Mark. Heute geht es um andere Summen, im fünfstelligen Euro-Bereich, aber eine realistische Größe, die zu schaffen sei, sagt Dieter. "Wir müssen einen hohen Eigenanteil zusammensparen. Die Fördermittel fließen nicht mehr so einfach."

Dazu dienen unter anderem die Reinerlöse von Veranstaltungen, wie dem alljährlichen Adventsmarkt. Auch das Sommerfest am 21. August soll dazu beitragen: Nach dem Familiengottesdienst um 14 Uhr gibt es ab 15 Uhr unterm Pavillon Kuchen aus dem Buschbackofen, außerdem ein Kinderprogramm, Kegelbahn und Tombola. Interessantes über den Wald wird in einer Mitmachausstellung der Oberförsterei Bad Wilsnack ab 16 Uhr vermittelt. Um 18 Uhr treten die Line-Dancers aus Glöwen auf, ab 19 Uhr wird Deftiges aus dem Buschbackofen serviert. Gäste können den Tag natürlich auch nutzen, um einen Blick in das Gotteshaus mit seinem hellen, heiteren Innenleben zu werfen und sich einfach nur an einem Gedanken zu erfreuen: Gut, dass diese Kirche doch nicht abgerissen wurde.

Der Prignitzer vom 12. August 2010

   Zur Artikelübersicht