Neuer Glanz für alten Kirchturm

VON SIGRID WERNER Lychen.

 
Der Glockenturm der St. Johannes Kirche zu Lychen wird saniert. Der Sparkassenvorstand und der Landrat trugen gestern ihren "Baustein" zum Gelingen bei. Die Sparkasse Uckermark gibt 20 000 Euro.
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Was konnte es Schöneres für Fördermittelgeber geben, als zu erleben, dass an dem Objekt, für das sie Mittel bereitstellen, zügig gebaut wird? Baulärm und Staub und das Surren eines Aufzuges begleiteten gestern Nachmittag die offizielle Fördermittelübergabe durch den Sparkassenvorstand Uwe Schmidt und Wolfgang Janitschke sowie den Landrat Dietmar Schulze. Die Zeit drängt. Architektin Sibylle Stich will die teure Rüstung möglichst vor dem Winter wieder abgebaut haben. Jeder Tag kostet bares Geld. Für die Rüstung allein sind über 80 000 Euro veranschlagt. Das vorhaben insgesamt wird über 300000 Euro verschlingen.Der Vorstand der Sparkasse Uckermark hatte sich angesichts des gewaltigen Vorhabens, das die Lychener Kirchengemeinde in diesem Jahr realisieren will, entschlossen, 20 000 Euro aus den Mitteln der Nutzenstiftung der Sparkasse Uckermark zur Verfügung zu stellen. Die Lasten seien sonst von der Kirchgemeinde allein nicht zu stemmen. Die Kirchgemeinde hatte schon in der Vergangenheit die Sanierung der Orgel aus eigener Kraft möglich gemacht. So überreichte gestern Landrat Dietmar Schulze die Sparkassenspende symbolisch in Form eines Dachziegels an Pfarrer Gerhard Stechbart. Ein Baustein, den der Pfarrer nicht zum ersten Mal in seinen Händen hält. Bereits zu DDR-Zeiten war Stechbart persönlich ins Dach hinaufgeklettert, um nach Stürmen Löcher zu flicken. "Unser Pfarrer hatte schon immer ein Auge aufs Dach", loben Sabine Lüder und Karin Lustig vom Gemeindekirchenrat. Ein Engagement für die Bausubstanz des Gotteshauses, das sich jetzt in barer Münze auszuzahlen scheint. "Die Schäden sind nicht schlimmer als gedacht", wie vielfach anderswo, die Wetterseite sehe schlimm aus, aber an der Ostseite des Turmes gebe es fast keine Schäden, bestätigt Architektin Sibylle Stich, die "begleitende Heldin des Heldenbaus", wie der Pfarrer sagt. Die Frau, die den Überblick über die Kosten behalte und dafür sorge, dass die Bauarbeiten nachhaltig ausgeführt werden. Ob die reparierten Deckenbalken und das später neu gedeckte Dach, die restaurierte Fassade, einmal 750 Jahre alt werden, wie viele der noch vorhandenen Originalteile im Turm, zum Beispiel der Treppenaufgang, davon möchte der Pfarrer nicht reden. Aber mehr als zehn Jahre sollten sie schon halten, gibt sich Stechbarth bescheiden. Das Baugeschehen an der Kirche veranlasste übrigens noch einen Spender, sich der Sparkasse Uckermark anzuschließen. Eine alte Lychener Familie, Familie Diekow, die heute bei Hannover lebt und gerade zum Urlaub in Lychen weilt, schritt spontan zur Sparkasse und veranlasste eine Überweisung von 500 Euro auf das Spendenkonto der Kirche. Viele Spenden, darunter viele kleine, jährlich zwischen 300 und 600 Euro Erlöse aus Bastelbasaren und auch Rücklagen der Kirchgemeinde waren es, die für das Sanierungsvorhaben den Grundstock bildeten. 21000 Euro stellte die Kirchengemeinde auf diese Weise als Eigenmittel bereit. Die Stadt habe Städtebaufördermittel in Höhe von 80000 Euro organisiert, der Kirchenkreis und die Landeskirche gaben 30000 bzw. 40000 Euro. Die größte Summe indes kam von der Partnerkirche, der Badischen Landeskirche, die 115000 Euro zur Verfügung stellte, berichtet der Lychener Pfarrer. Gerhard Stechbart freut diese enge Verbundenheit trotz der Ferne und die Tatsache, dass Badener immer wieder nach Lychen in den Urlaub fahren und dann auch zu ihm in den Gottesdienst kommen.

Uckermark Kurier vom 17. August 2010

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