PROJEKT: Rettung für das Gotteshaus

Sanierung der Kirche in Brück-Rottstock startet heute

BRÜCK - Nach der letzten großen Sanierung der Kirche in Brück-Rottstock schrieb das "Brücker Wochenblatt" anlässlich der Wiedereinweihung im Jahr 1907: "Möge nun unser erneuertes Gotteshaus auch vielleicht wieder 100 Jahre den Stürmen und dem Zahn der Zeit widerstehen." Das hat funktioniert. Nun aber gibt es wieder dringenden Handlungsbedarf für eine erneute Sanierung des Gotteshauses. Sie soll ab heute bis zum Jahresende erfolgen. Gestern fand dazu mit Vertretern der Kirchengemeinde, von Denkmalbehörden sowie Firmen die Bauanlaufberatung statt.

Die Pläne zur Sanierung der aus der Zeit zwischen 1350 und 1420 stammenden spätromanischen Feldsteinkirche werden seit gut zwei Jahren intensiv geschmiedet. Damals hatte sich unter Leitung des neuen Brücker Pfarrers Helmut Kautz die Kirchengemeinde neu konstituiert. "Wir sind mit dem Ziel angetreten, unser Gotteshaus zu sanieren", sagt Ralf Ehle als Mitglied des Rates.

Immerhin hängt in der Kirche die älteste datierte Glocke der Mark Brandenburg aus dem Jahr 1248. Sie ist zugleich die viertälteste Glocke Deutschlands und muss vor dem Absturz gerettet werden. Gutachten hatten Fehler bei der Aufhängung zu Tage gefördert. Arbeiten am Turm sind dringend nötig. Zwischen 300 und 500 Jahre alte Balken müssen saniert oder ersetzt werden.

Bevor dies erfolgen kann, soll zunächst aber das Kirchenschiff umfassend saniert werden. "Der Turm wird im nächsten Jahr folgen", sagt Pfarrer Helmut Kautz.

Immerhin besteht auch am Dach des Kirchenschiffes akuter Handlungsbedarf. "Es wird fast nur noch von den Latten zusammengehalten", so Kautz. Es regnet durch. "Balkenköpfe, Sparren und andere Teile müssen erneuert werden", bestätigt Bauleiter André Degenhardt. Dabei sollen auf Wunsch der Denkmalbehörde von den alten Hölzern so viele wie möglich erhalten werden. Das trifft auch auf Ziegel zu.

Ist das Dach saniert, folgen die Fenster und die Fassade. Die Reste des in DDR-Zeiten aufgetragenen Zementputzes werden entfernt. Danach werden die Fugen des Feldsteinmauerwerks erneuert. "Am Ende wird alles ähnlich wie an der zuletzt sanierten Lambertuskirche in Brück mit einer dünnen Schlämme überzogen und mit einer hellen Farbe versehen", erläutert der Bauleiter. "Die Fenster erhalten Metallrahmen und könnten später mit Bleiverglasungen ergänzt werden", hofft Pfarrer Helmut Kautz. (Von Thomas Wachs)

Kirche mit wertvollem Innenleben:

Der heutige Kirchenbau in Brück-Rottstock ist vermutlich der dritte an diesem Standort. Neben der viertältesten datierten Glocke Deutschlands beherbergt er eine geheimnisvolle Gruft. Sie soll bei späteren Sanierungsarbeiten des Innenraumes untersucht werden.

Die 165 000 Euro teure Sanierung des Kirchenschiffes wird finanziert mit Geld aus dem Staats-Kirchen-Vertrag, über die Kirchenbaustiftung, die Union Evangelischer Kirchen Deutschlands (UEK) als Kollektengemeinschaft sowie über die Denkmalbehörde des Kreises Potsdam-Mittelmark. Zudem steuert die Kirchengemeinde rund 5000 Euro aus Eigenmitteln und Spenden bei.

Die Kirchengemeinde Brück-Rottstock blieb nach der politischen Eingemeindung des Dorfes Rottstock nach Brück im Jahr 1950 eigenständig. Sie zählt aktuell 418 Gemeindeglieder. In Brück sind es insgesamt rund 1000. Th.W.

Thomas Wachs wundert sich darüber, was in Brücks Kirchen plötzlich alles möglich ist

Göttlicher Elan

Kaum sind die Gerüste an der Brücker Hauptkirche St. Lambertus gefallen, werden sie bereits am mittelalterlichen Gotteshaus im Stadtteil Rottstock neu errichtet. Die nächste Kirche wird saniert. Dieses Tempo lässt alle Beobachter verdutzt die Augen reiben, die in den zurückliegenden Jahren die Gemeindearbeit rund um die Brücker Kirchen verfolgt haben. Nun geht dort ein junger Pfarrer mit göttlichem Elan ans Werk. Ihm geht es darum, die Kirche als zeitgemäßes Glied der heutigen Gesellschaft zu positionieren. Dass dies gut gelingt, zeigt der starke Rückhalt, den Helmut Kautz nicht nur in seinen Kirchengemeinden mit insgesamt rund 1000 Gliedern erfährt. Mit ihm sind dort vielerorts neue Mitstreiter an den Start gegangen, um manch verstaubte Struktur zu frischem Leben zu erwecken. Doch auch mit der weltlichen Gemeinde gelingt der unumgängliche Schulterschluss. Diesen mussten die Brücker Bürger lange Jahre vermissen. Dabei war viel auf der Strecke geblieben. Erinnert sei beispielsweise an die ewig blockierte Sanierung der Lambertuskirche. Das hatte zur Folge, dass Fördergeld aus der Altstadtsanierung später nicht mehr in früher möglicher Höhe abgerufen werden konnte. Nun warten neue Projekte, die mit wesentlich mehr Schwung angegangen werden. Das macht Mut.

Märkische Allgemeine vom 19. August 2010

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