Dachziegel zur Erinnerung

Neulietzegöricke (moz) In gemeinsamer Arbeit haben Bürger einen großen Teil des Neulietzegöricker Kirchendaches abgedeckt. Sie bildeten eine Menschenkette auf dem Baugerüst, um so die Ziegel sicher nach unten reichen zu können. Die Gemeinde sucht neue Besitzer für die alten Dachsteine.

 
Menschenkette vom Boden bis zur sechsten Etage des Gerüstes
© MOZ/Franziska Pröber

Sie mussten schnell handeln, um die restlichen Dachziegel der Neulietzegöricker Kirche noch retten zu können. Am Abend zuvor telefonierten sie hin und her, damit schon am nächsten Morgen genug Menschen vor Ort stehen, um anzupacken. Die Dachdecker hatten früher als geplant mit den Sanierungsarbeiten am Gotteshaus begonnen, sodass innerhalb kürzester Zeit 50 Prozent der alten Ziegel mit lautem Krachen im Container landeten. Die Steine waren verloren.

Doch am nächsten Morgen, pünktlich um sieben Uhr, stehen neun freiwillige Helfer an der Kirche. Sie sind Mitglieder des Vereins Hofgesellschaft, der Kirchengemeinde oder stammen aus Bad Freienwalde und der Gemeinde Neulewin. Gemeinsam bilden sie eine Kette vom Boden bis zur sechsten Ebene des Baugerüstes, das die Kirche umstellt. Ein gelernter Dachdecker klettert geschickt auf der Schräge entlang, greift nach den von Moos befallenen Ziegeln und reicht sie zu den Freiwilligen weiter. Von dort werden die Steine vorsichtig von einem Mann zum anderen nach unten gegeben.

"Ich freue mich, dass alles so kurzfristig geklappt hat", sagt Horst Wilke, ehrenamtlicher Bürgermeister von Neulewin. Die 
Helfer haben über 2000 Dachziegel geborgen und somit etwa 50 Quadratmeter abgedeckt, schätzt er. "Es wäre schade, wenn alle Dachsteine im Schrott gelandet wären." Die Ziegel seien etwas Besonderes. Sie haben durch ihr abgerundetes Ende die typische Form eines Biberschwanzes und sind ein Zeitzeugnis der alten Kirche.

"Ja, einen Dachziegel werde ich mir wohl zur Erinnerung mitnehmen", sagt Friedrich Regenberg aus Karlshof. Der 75-Jährige steht mit Mütze und blauem Arbeitskittel in der ersten Etage auf dem Gerüst, höher habe er sich nicht getraut. Doch eigentlich ist ihm der eine Dachziegel nicht so wichtig. Er ist gekommen, um der Gemeinde zu helfen und die Sanierung der Kirche voran zu treiben.

Die Steine können nun vielseitig eingesetzt werden, sagt Wilke. So wäre es möglich, kleine Stellen auf dem eigenen Dach oder einen Stall zu decken. Man könnte sie beschriften lassen und als Dankeschön der Gemeinde zu bestimmten Anlässen verschenken. Wer Interesse an den Dachziegeln hat, soll sich bei Wilke melden. Gegen einen Obolus könnten die Steine sofort abgeholt werden. Der Erlös soll dann für die weiteren Sanierungsarbeiten an der Kirche in Neulietzegöricke verwendet werden.

Telefon: 033457 5422 oder 0176 43115652

Märkische Oderzeitung vom 19. August 2010

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