Kirche: Ein gemeinsames Ziel

Ein Freundeskreis will den geschichtsträchtigen Schinkelbau in Wuthenow erhalten

NEURUPPIN - Evelyn Tomaske-Fellenberg liegt die Wuthenower Dorfkirche sehr am Herzen. Als sie 1993 dort als Gemeindepädagogin ihren Dienst aufnahm, wurde sie von der Gemeinde mit offenen Armen empfangen. Sie hatte noch nicht die Schwelle der Kirche betreten, da trat die Kirchenälteste Elisabeth Voigt auf sie zu. Sie sprach die junge Geistliche darauf an, wie wichtig den Wuthenowern die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde sei. "Damit hatten sie mein Herz gewonnen", sagt Evelyn Tomaske-Fellenberg rückblickend. So wie sie haben auch andere Wuthenower ein Interesse an der Kirche und nicht nur diese. Deshalb gründeten im vorigen Jahr etwa 30 Leute einen Freundeskreis für die Wuthenower Kirche.

An dem 1837 fertiggestellten Bau müsste so einiges gemacht werden. Am dringlichsten ist ein neues Dach. "Dafür sammeln wir in jedem Gottesdienst", sagt Gemeindepädagogin Tomaske-Fellenberg. Irgendwann kam im Gemeindekirchenrat die Erkenntnis, dass sie allein so eine Summe nicht aufbringen könnten. Daraufhin schrieben sie alle an, die zwar nicht zur Wuthenower Gemeinde gehören, aber mit dieser besonders verbunden sind. So kam auch Heike Supranowitz in den Kreis. Ihre jüngste Tochter wurde dort konfirmiert. "Wir sind engagierte Leute, die sagen, uns ist diese Kirche wichtig", sagt die Rechtsanwältin. So kamen etwa 30 Leute zusammen, die das Ziel verbindet, diese besondere Kirche, ein Schinkelbau, zu erhalten. "Das ist eine lebendige Kirche mit viel Geschichte", sagt Heike Supranowitz. Zunächst stand die Idee im Raum, einen Förderverein zu gründen. Elisabeth Voigt hat Verbindungen zu anderen Kirchenvereinen hergestellt. "Sie ist das Herz des Ganzen", sagt Evelyn Tomaske-Fellenberg. Elisabeth Voigt ist auch Herrin des Kirchenschlüssels. "Sie hat den Schlüssel zum Schinkelparadies", sagt Hausherrin Tomaske-Fellenberg. Die Wuthenowerin und Kirchenälteste führt auf Anfrage Touristen durch das Gotteshaus. Bei ihren Ausführungen merkt man, wie sehr sie an ihrer Kirche hängt.

Die Interessengemeinschaft nahm Abstand von einer Vereinsgründung. "So etwas ist sehr arbeitsaufwändig", sagt Evelyn Tomaske-Fellenberg. Das würde soviel Kraft binden, die sinnvoller eingesetzt werden könnte. So schlossen sie sich Ende des vergangenen Jahres zu einem Freundeskreis zusammen. Etwa 20 Leute kommen regelmäßig zu den monatlichen Treffen. Dabei steht ein Sanierungskonzept mit dem Schwerpunkt Dach im Vordergrund. Dazu muss ein Holzgutachten eingeholt werden. Auch die Decke hat Feuchtigkeitsschäden. Gespräche mit dem Denkmalschutz fanden bereits statt. Das alles kostet Geld. Die sonntäglichen Kollekten und die Einnahmen der regelmäßigen Konzerte in der Kirche reichen dafür nicht aus. Ein Ziel des Freundeskreises ist, Geld zu sammeln. Die Beantragung von Fördermitteln ist Sache der Kirchengemeinde. Die Idee eines Mitglieds des Freundeskreises wurde bereits umgesetzt. "Die Kirche soll wieder mehr in den Mittelpunkt des Ortes gerückt werden", sagt Evelyn Tomaske-Fellenberg. Zum einen hebt sie sich rein optisch hervor, da sie erhöht steht. Zum anderen ist sie auch nicht mehr zu überhören. "Um 18 Uhr bimmelt es", sagt die Gemeindepädagogin. Die Idee, mit Glockengeläut den Feierabend einzuläuten, kam vom Wuthenower Christian Wenger-Rosenau. Aus den Baurücklagen der Wuthenower wurde die Uhr repariert. Ein elektronisches Läutwerk sorgt dafür, dass alle im Umkreis der Kirche wissen, was die Uhr geschlagen hat. Damit bringt sich die Wuthenower Kirche jeden Tag in Erinnerung. Dafür, dass das weiter so bleibt, sorgt der Freundeskreis. (Von Dagmar Simons)

Märkische Allgemeine vom 25. August 2010

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