Jugendliche sanieren Kirche

Lichtenberg (moz) Der angehende Architekturstudent Patrick Ernst kniet stolz in der Kirchenruine von Lichtenberg. Seine Blicke wandern immer wieder über eine Schwelle, die er nach einer kurzen Anleitung von Bauingenieur Eberhard Wolf in Eigenregie am Vormittag gebaut hatte. Er ist einer von acht jungen Leuten, die gerade für zwei Wochen bei der Restauration der Lichtenberger Kirche mithelfen.

 
Beweist viel Geschick: Der aus Dresden stammende Patrick Ernst mauert eine Schwelle im Innenraum der Kirchenruine.
© MOZ/Dietmar Horn

Zusammengeführt hat die 18- bis 24-jährigen Frauen und Männer aus Deutschland und Osteuropa der internationale Bauorden. Seit über 50 Jahren organisiert der katholisch geprägte Orden Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in Europa. Die Kosten für Verpflegung und Unterkunft werden größtenteils von Spendern getragen. Die Jugendlichen helfen unentgeltlich. Über 350 000 Schüler, Auszubildende, Studenten, Handwerker und Angestellte haben an den europaweiten Hilfsprojekten, den sogenannten Baucamps, bereits teilgenommen.

"Das Gute ist", erzählt Katharina Falkenhagen, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Frankfurt "dass man keine handwerklichen Vorkenntnisse haben muss. Es werden Arbeiten verrichtet, bei denen man nicht zwingend Fachkenntnisse benötigt oder den Denkmalschutz fragen muss." Die Jugendlichen leisten je nach Können ihren ganz eigenen praktischen Beitrag zur weiteren Sanierung der Lichtenberger Kirche, die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Als Pluspunkt können sich Studenten ihre Arbeit in den Baucamps als Praktikum anrechnen lassen.

Auch Inga Böttinger aus Hamburg hilft bei den Restaurationsarbeiten im Innenraum des Gotteshauses. Ihr Mutter hatte sie auf den Bauorden aufmerksam gemacht. Und da die 18-Jährige im Oktober mit dem Studium "Bauen im Bestand" beginnen wird, welches sich inhaltlich mit älteren Gebäuden beschäftigt, schien das Kirchenprojekt in Lichtenberg wie gerufen. Gemeinsam mit Andrej Isaak aus Luckenwalde und Ronja Marwedel aus Dresden trägt Inga Böttinger poröses Mauerwerk im Inneren der Kirche ab.

Am kommenden Sonntag geht es für die Jugendlichen wieder zurück in ihre Heimatstädte.

Weitere Infos zum Bauorden unter www.bauorden.de.

Märkische Oderzeitung vom 31. August 2010

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