KIRCHE: Ein Gefühl von Heimat

Riesdorfer Gotteshaus nach Sanierung festlich eingeweiht / Weitere Arbeiten stehen aus

RIESDORF - "Nun lasst aber mal die Kirche im Dorf!" Wer würde diesen Ausspruch nicht kennen? Etwas abgewandelt, bekommt dieser Satz für die Riesdorfer besondere Bedeutung. Denn es hätte nicht viel gefehlt, und das kleine Dorf stünde heute ohne Kirche da. Nach jahrelangen Sanierungsarbeiten konnte die Kirchgemeinde nun aber zum Wiedereinweihungsgottesdienst einladen. "Wer hätte das gedacht, dass wir eines Tages hier ein solches Fest feiern können?", begrüßte Pfarrer Joachim Boekels die zahlreichen Gäste am vorigen Sonntag. "Mit unserer heutigen Fürbitte wollen wir diese Kirche nun Gottes Segen anempfehlen", sagte Boekels, der über die Bedeutung sprach, die ein weithin sichtbares Gotteshaus nicht nur für Christen besitzt. "Eine Kirche im Dorf, das ist ein Gefühl von Heimat und zu Hause sein. Dieses Gefühl lässt uns Menschen Wurzeln finden und ist keine nostalgische, kurzzeitige Randerscheinung."

Dann übergab Boekels an Martin Semrock das Wort, ohne den der Wiederaufbau des Gotteshauses wohl kaum denkbar gewesen wäre. "Jetzt weiß ich gar nicht mehr, was ich sagen wollte", begann der Kirchenälteste und Kirchenratsvize, der die einzelnen Phasen des Zerfalls und des Wiederaufbaus Revue passieren ließ. Schon in den 1970er-Jahren habe der Abriss des Gotteshaus knapp verhindert werden können. Ein Sturm hatte den Turm arg in Mitleidenschaft gezogen. Nur durch das Engagement der Kirchgemeinde, die trotz knapper Kassen und fehlender Handwerker das Dach auf eigene Faust reparierte, wurde damals das Schlimmste verhindert.

So wie damals, haben die Riesdorfer auch diesmal hinter der Sanierung ihrer Kirche gestanden. Land, Landkreis, Landeskirche und Kirchenkreis sowie die Kulturstiftung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse unterstützten das Projekt finanziell. Rund 250 000 Euro wurden in den zurückliegenden vier Jahren verbaut. Turm, Dach und Innenraum wurden dabei, wo nicht erneuert, zumindest saniert.

Alle Gäste wurden schließlich an die Kaffeetafel gebeten. Hier berichtete Martin Semrock von den weiteren Aufgaben. Die Überarbeitung der kleinen Orgel ist eine davon. "Und dann träume ich ja immer noch davon, mal wieder die zweite Glocke aufzuhängen, die man uns im Ersten Weltkrieg geklaut hat", so Semrock. Rund 40 000 Euro würden für beide Vorhaben benötigt. (Von Uwe Klemens)

Märkische Allgemeine vom 07. September 2010

   Zur Artikelübersicht