Weihe für gefallenen Groß Breesener Engel

GUBEN Der nach mehr als 300 Jahren restaurierte Taufengel in der Kirche Groß Breesen wird im Gottesdienst am kommenden Sonntag wiedereingeweiht. Für die Restaurierung stellten Landkreis, Kirchenkreis, Verein alter Kirchen sowie Privatpersonen rund 16 000 Euro zur Verfügung.

 
Diplomrestauratorin Dorothee Schmidt-Breitung und ihre drei Kollegen in der Breslacker Werkstatt haben großen Anteil an der Restaurierung des Groß Breesener Taufengels.
Foto: B. Remus

Zwei extra Sicherungsseile und ein Sandkasten über der getäfelten Decke der Groß Breesener Kirche sollen eine Wiederholung dessen verhindern, was im Kirchenbuch für den 2. August 1733 beschrieben ist: "...riss der Strick, an welchem der Taufengel herabgezogen wurde und fiel nicht nur der Engel in Stücken, sondern auch ein sehr großer Stein, welcher zum Gegengewicht oben angehangen war, von der Kirchendecke herab eben als nach beendeter Bethstunde ein Kind sollte getaufet werden und war ein Glück, daß der Prediger und Gevatter noch bey dem Altar standen, sonsten sie sämtlich beschädigt, so nicht zum Teil erschlagen worden wären." Die Breslacker Diplomrestauratorin Doreen Schmidt-Breitung und ihre Kollegen Melanie Hilbert, Lukas Böwe und ihr Mann Christoph Schröter haben jedoch nicht nur für die neue, bessere Befestigung des Taufengels gesorgt, sondern gewissermaßen für seine Auferstehung.

"Gudrun Seifert vom Kirchenvorstand hat den ersten Impuls für die Restaurierung des gestürzten Engels gegeben", sagt Schmidt-Breitung. "Als wir ihn im Keller des Pfarrhauses sahen, war er schwarz und braun von Staub und vom Holzschutzmittel Hylotox verseucht. Wir mussten unter Vollschutz arbeiten, als wir den Torso gereinigt haben", ergänzt die Restauratorin. Für die Reinigung sei ein kleiner Staubsauger gebaut worden, um vorsichtig den Schmutz abtragen zu können. Und parallel dazu sei die lockere Farbe wieder befestigt worden. Jede Schicht habe abgestanden. "Mit Pinsel und Hausenblase haben wir sie angeklebt. Das ist Fischleim vom Stör, der extrem elastisch ist und gut altert. Er wird erwärmt und mit einem Heizspachtel über Papierkaschierung angeleimt", erklärt Schmidt-Breitung. Das sei Arbeit von Februar bis April gewesen. Ende April habe der Berliner Bildhauer Claus Spies den Engel erhalten, um die fehlenden Lindenholzteile zu ersetzen. "Er hat super Arbeit geleistet", sagt die Restauratorin. Für die fehlenden Engelsfüße mussten zunächst Modelle gefertigt werden. Aber auch Arme, Gewand- und Flügelteile, Oberlippe und Nasenspitze waren zu ersetzen. "Wir haben dann jede Fehlstelle farblich so bearbeitet, dass ein ästhetisches Gesamtbild entstand", merkt Schmidt-Breitung an. Arno Schmidtchen in Groß Gastrose schuf die Taufschale aus Messing. Die Kugeln der Kette, die entrostet und gewachst wurde, seien nachgedreht und zu guter Letzt das Spruchband gefertigt worden.

Zum Thema:

Der Groß Breesener Tauf engel zählt zu den qualitätsvollsten in Brandenburg. Er weist bis ins Detail Ähnlichkeiten mit anderen Taufengeln aus der Werkstatt des in Mahrin in der Neumark ansässigen Heinrich Bernhard Hattenkerell auf, der vor etwa 300 Jahren vor allem in der Uckermark und Neumark Kirchenausstattungen geschaffen hat.

Von Barbara Remus

Lausitzer Rundschau vom 07. September 2010

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