Ein Schatz in Zollchow

Original erhaltene und spielbare Orgel vom Potsdamer Meister Carl Schultze

Zollchow (os). "Ein ganz freudiger Anlass führt uns heute hier zusammen", begrüßte Pfarrerin Ulrike Lindstädt in der vorigen Woche die vielen Gäste in der Zollchower Kirche. Ein besonderer Gruß galt den beiden Sparkassenvorständen Uwe Schmidt und Wolfgang Janitschke. Denn sie hatten diesmal keinen symbolischen Scheck, aber einen in einem Notenheft befindlichen Gutschein über 15000 Euro dabei. Mit dem Geld aus der Nutzenstiftung der Sparkasse Uckermark soll die Restaurierung der Zollchower Kirchenorgel unterstützt und möglich gemacht werden. Die Orgel gilt als das einzige noch erhaltene und spielbare Instrument des Potsdamer Orgelbauers Carl Schultze. Es stammt aus dem Jahr 1874. Bis auf die Prospektpfeifen, die im Ersten Weltkrieg (1917) abgeliefert werden mussten und später gegen Zinkpfeifen ausgetauscht wurden, ist die Orgel noch originalgetreu erhalten. Ab nächste Woche, so kündigte Ulrike Lindstädt an, werden alle Pfeifen gereinigt, die fehlenden Orgelteile ersetzt und die schadhaften Teile repariert. Zudem bekommt die Schleifladenorgel ein Gebläse.

Die aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammende Kirche erstrahlt im Inneren wieder in hellen, freundlichen Farben. Pfarrerin Ulrike Lindstädt bedankte sich bei den vielen fleißigen Helfern und den großzügigen Sponsoren, die an der Innengestaltung mitgewirkt haben. Jetzt müsste nur noch das Dach Regenrinnen erhalten, damit das Gotteshaus keine "nassen Füße" mehr bekomme."Auch der aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Kanzelaltar mit den zwei korinthischen Säulen wäre noch ein Sanierungsprojekt", meinte die engagierte Pfarrerin, die sich freut, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Einwohner Zollchows, egal ob christlich gebunden oder nicht, dieses kleine Gotteshaus wieder als ihre Kirche und als Zentrum des Dorfes begreifen: "Als Ort des Gedächtnisses, der Erinnerung, der Kultur, der Gemeinschaft und des Zusammenkommens."

Eine kleine Wandfläche links vom Altar blieb ohne neuen Putz und Anstrich. Hier wurden beim Putzabklopfen barocke Wandmalereien entdeckt. "Die Kirche ist ein wahres Schmuckstück geworden. Vielleicht kann hier schon im nächsten Jahr über unsere Orgelstiftung ein Konzert durchgeführt werden", sagte Sparkassen-Vorstand Uwe Schmidt. Aus den Händen von Kerstin Mittelstädt erhielt er den ersten von einhundert Zollchower Orgelbriefen, die der Freundeskreis für mindestens 20 Euro verkaufen möchte.

Der Anzeigenkurier vom 08. September 2010

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