Sanierung: Operation an der offenen Wand

Der Turm der St. Marienkirche Trebbin wird stabilisiert

TREBBIN - Die Sicherung des gefährdeten Turms der St. Marienkirche hat absoluten Vorrang. Darin sind sich der Trebbiner Pfarrer Jürg Albrecht Wildner und Kirchenältester Helmut Kruse einig. "Wir hätten nicht gedacht, dass sich auch der Turm in so einem schlimmen Zustand befindet", so Helmut Kruse. Er begleitet die aufwendige Sanierung der Trebbiner Marienkirche von Anfang an. Das war im Frühjahr 2007.

Die Arbeiten an der Turmfassade begannen in diesem Juni. Kaum waren die Fachleute vor Ort, da zeigte sich das ganze Ausmaß des Zerfalls. "Wir mussten völlig neu kalkulieren und damit fiel auch die für diesen Bauabschnitt bereits gesicherte Finanzierung in sich zusammen", so Manfred Guder vom Baubüro des evangelischen Kirchenkreisverbandes Süd.

Dabei gehörte die Trebbiner Kirche zu den drei Gotteshäusern im Bereich der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die in diesem Jahr Geld als Bauhilfe von der Partner-Landeskirche Baden erhalten haben (die MAZ berichtete). Viele Trebbiner dachten, dass mit dieser Geldspende die finanziellen Probleme, die die Kirchensanierung von Anfang an begleiteten, endgültig vom Tisch seien.

"Doch das ist ein Trugschluss. Viel Zeit, Geld und Mühe wird es noch kosten, bis der Turm in altem Glanz erstrahlen kann", so Manfred Guder. Die Mittel der badischen Landeskirche rund 90 000 Euro werden für die Stabilisierung des Turmes benötigt. Die ursprünglich geplante Erneuerung des Turmes rückt damit wieder in die Ferne. "Das wird erst in einem zweiten Turmsanierungsabschnitt erfolgen können, für den aber weder Termin noch Finanzierung stehen", so Guder.

Im Turm werden derzeit mühsam und Schritt für Schritt die zerstörten Hölzer gegen eine stabilisierende Mauerwerks-Stahlkonstruktion ausgetauscht. "Alle vier Ecken des Turmes werden neu ausgemauert. Um den Turm werden Spannanker und Stahlwinkel gelegt, um das Bauwerk neu zu verspannen", erklärte Bauleiter Hagen Mehmel von der bauausführenden Potsdamer Firma Baudenkmalpflege Roland Schulze. Das wurde notwendig, da sich herausgestellt hatte, dass die vier Wände des Turms für sich stehen und nicht stabil miteinander verbunden sind. "Dahinter sah es aus wie ein Schweizer Käse, Holz und Putz waren vom Pilzbefall löchrig und teilweise verfault", so die Fachleute, die derzeit in etwa 15 Metern Höhe dem maroden Mauerwerk zu Leibe rücken.

"Wenn der Turm soweit stabilisiert und sicher ist, kommt der schwierigste Teil. Die gesamte Westwand muss herausgerissen und neu aufgebaut werden", so Hagen Mehmel. Der Turm wird dann an dieser Seite völlig offen sein.

Die Sicherung des Turmes wird etwa bis zum Jahresende dauern. "Der Turm wird dann allerdings noch nicht in neuem Glanz erstrahlen, sondern erst einmal die notwendige Sicherheit haben", erläuterte Manfred Guder.

Für die weiteren Arbeiten wie die Dacherneuerung, neuer Putz, Uhreinbau und Bekrönung des Turmes ist eine neue Finanzierung nötig. Dafür werden sich die evangelische Kirchengemeinde Trebbin, Landeskirche und Kirchenkreis neue Gedanken machen müssen. Helmut Kruse begibt sich wieder auf Tippeltappeltour, um weitere Spenden aufzutreiben "Wir hoffen auf Unterstützung", sagte Pfarrer Jürg Albrecht Wildner. Er ist seit Februar in Trebbin im Amt. "Die Kirchenglocken können zurzeit nicht geläutet werden", erinnerte er.

Im Dezember soll das Gerüst fallen. "Dann wird der Turm allerdings kaum ein schönerer Anblick sein als vorher. Aber er wird nicht mehr einsturzgefährdet, sondern sicher sein", baut Manfred Guder Erwartungen auf einen "Turm wie neu" vor. (Von Uta Franke)

Märkische Allgemeine vom 09. September 2010

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