5000 Euro für rostiges Denkmal

Schmiedeberg (moz) 5000 Euro hat die Bürgerstiftung der Sparkasse Uckermark für ein völlig verrostetes Grabmal auf dem Kirchhof in Schmiedeberg gespendet. Damit ist nun die benötigte Geldsumme für die aufwändige Restaurierung des denkmalgeschützten Grabmals des 1822 in Schmiedeberg gestorbenen Amtsmannes Christian Friedrich Raasch beisammen. Durch eine private Spendenaktion und große Unterstützung von Denkmalbehörde, regionalen Heimatvereinen und engagierten Bürgern kann damit ein heimat- und kulturgeschichtlich wertvolles Kleinod der Nachwelt erhalten bleiben.

 
Freudiger Moment: Irene Freifrau von Gall nimmt den symbolischen Scheck der Bürgerstiftung von Sparkassenvorstand Uwe Schmidt (r.) und Wolfgang Janitschke entgegen.

Wozu einen alten Grabstein retten? Warum Geld investieren in ein verwittertes Monument auf einem unscheinbaren Kirchhof, als gäbe es keine anderen Sorgen? Irene Freifrau von Gall kennt solche Gedanken und Zweifel. Dennoch hat sich die rührige, geschichts- und traditionsbewusste Dame mit Schmiedeberger Wurzeln aufgemacht, alles in die Wege zu leiten, um ein fast 200 Jahre altes gusseisernes Grabmal vor dem Verfall und Vergessen zu retten. Nur wer sich auch seiner Geschichte bewusst sei und Kultur vergangener Epochen bewahre, könne den wahren Reichtum des Lebens wertschätzen und die Gegenwart verantwortungsbewusst gestalten, so Irene von Gall.

Das Grabmal erinnert an den Schmiedeberger Amtsmann Christian Friedrich von Raasch, der zu Zeiten Friedrich des Großen in Schmiedeberg bei Angermünde geboren wurde und hier als tüchtiger Landwirt die Entwicklung der Landwirtschaft entscheidend prägte. Als er 1822 in Schmiedeberg starb, setzten ihm die Bürger des Dorfes gemeinsam mit der Gutsfamilie aus Dankbarkeit ein prunkvolles Grabmal aus Eisenguss. Immerhin fand dieses einzigartige Monument gemeinsam mit dem Laubenganghaus in Schmiedeberg schon 1980 Eingang in den Band "Bau- und Kunstdenkmale der DDR". "Es ist bekanntlich ein sehr selten gewordenes Zeugnis preußischer Eisengusskunst", erklärt Irene von Gall. Sie initiierte vor drei Jahren eine Spendenaktion, um das Grabmal zu retten.

Viele Schmiedeberger Einwohner und Bürger aus Nachbarorten folgten dem Aufruf und spendeten kleine und größere Beträge. Auch die Kirchengemeinde des Dorfes und die Stadt Angermünde unterstützten die Initiative. Vor knapp vier Wochen erhielt Irene von Gall nun freudestrahlend die Nachricht, dass die Bürgerstiftung der Sparkasse Uckermark 5000 Euro für die Restaurierung des Denkmals beisteuert. Damit ist nun die benötigte Summe für die Restaurierung des Grabmals von Raasch sowie der Gedenkkreuze für den Schmiedeberger Literaturprofessor Friedrich Heinrich von Hagen und seiner Frau beisammen, für die insgesamt rund 10 000 Euro veranschlagt werden. Die Bürgerstiftung hatte sich schon mit Spenden an der Restaurierung der Orgel und Turmuhr der Schmiedeberger Kirche beteiligt.

Aus der symbolischen Scheckübergabe machten die Schmiedeberger am Donnerstagnachmittag deshalb auch einen kleinen Festakt, zu dem Vertreter der Bürgerstiftung, der Stadtverwaltung Angermünde, der Denkmalbehörde, der Kirchengemeinde und des Dorfes eingeladen waren.

"Für Schmiedeberg ist es heute ein glücklicher Tag, weil wir einen entscheidenden Schritt unserem Ziel näher gekommen sind", sagte Irene von Gall dankbar. Neben der finanziellen Unterstützung hatten die Initiatoren auch jede Menge fachliche und moralische Hilfe durch die untere Denkmalbehörde des Landkreises, den Förderverein Denkmalpflege Günterberg, den Heimatverein Angermünde und den Verein Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Das Grabmal wird nun vom Metallrestaurator Thomas Wulff in Frauenhagen restauriert und soll Anfang Oktober auf dem Schmiedeberger Kirchhof in altem Glanz enthüllt werden.

Märkische Oderzeitung vom 10. September 2010

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