Den Bernauern ein Denkmal gesetzt

Bernau (moz) Mit einer Premiere wartete die Evangelische Kirchengemeinde Bernau zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag auf. In der gut besuchten Marienkirche präsentierte Kara Huber, Autorin und Ehefrau von Altbischof Wolfgang Huber, ihr neues Buch "Kirchen in Brandenburg und ihre Hüter". Dabei hatte sie sich St. Marien für ihre Präsentation mit Bedacht ausgewählt. Nicht nur, weil die Kirche zu den vorgestellten Gotteshäusern in dem Buch gehört, sondern vor allem wegen der 33 Frauen und Männer aus Bernau, die sich ehrenamtlich für ihren Erhalt engagieren.

 
Kara Huber © MOZ/Sergej Scheibe

Als vor zwei Jahren das Buch "Dorfkirchen in Brandenburg" erschien, war die Nachfrage so groß, dass man sofort an einen Folgeband gedacht habe, erzählt Jochen Stamm vom Prestel-Verlag. Nun liegt dieser vor, ist ab kommender Woche im Handel erhältlich. Porträtiert werden 20 Gotteshäuser in Brandenburg von 
20 prominenten Paten, wie beispielsweise Richard von Weizsäcker, Kathrin Göring Eckhardt, Otto Graf Lambsdorff oder Matthias Platzeck. Der Dom in Brandenburg an der Havel ist dabei und der von Fürstenwalde (Oder-Spree) und eben auch die St-Marienkirche in Bernau. Das für eine Kleinstadt monströse Gotteshaus, zwischen 1400 und 1519 von einer gotischen Basilika in eine spätgotische Hallenkirche umgebaut, hat es Herausgeberin Kara Huber besonders angetan. Nicht nur wegen seines acht Meter hohen und fünf Meter breiten Flügelaltars, der aus 39 figürlichen und 68 bildlichen Darstellungen besteht und vermutlich aus der Schule von Lucas Cranach dem Älteren stammt. Vielmehr begeistern die Autorin vor allem diejenigen, die sich ehrenamtlich für St. Marien engagieren sei es im Gemeindekirchenrat, im Förderverein, in der Jugendarbeit und/oder als kompetente Gesprächspartner, die die Besucher durch die Kirche führen. Um sie zu ehren, hat sich Kara Huber St. Marien als Ort für die Präsentation des von ihr herausgegebenen zweiten Brandenburger Kirchenbandes ausgesucht. Ohne engagierte Menschen wie sie, das weiß die Frau von Altbischof Wolfgang Huber nur zu genau, ist es schier unmöglich, die rund 1600 Kirchengebäude in Brandenburg und damit 870 Jahre Kirchengeschichte für die Nachwelt zu erhalten und mit Leben zu erfüllen. Die Gotteshäuser, sagt sie, sollen als kulturelle Denkmale für Jung und Alt da sein. In Bernau gibt es eine starke Kirchengemeinde und eine starke Junge Gemeinde. Wir haben in dieser Gemeinde unseren eigenen Platz gefunden", berichten beispielsweise Chris Patricia Hänsel und Julia Schulz am Sonntag bei der Buchpräsentation. Nur ein richtiges Gemeindezentrum wünschen sich die beiden jungen Mädchen und ihre Mitstreiter, in dem man zusammenkommen kann, auch als Kreisjugendkonvent. Dafür sammeln sie Spenden, "denn um es zu bauen, braucht man Geld", wissen sie. Nach Bernau gekommen ist auch der Vize-Präsident des Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD) in seiner Eigenschaft als Schirmherr des Förderkreises "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg". Der Verein, vor 20 Jahren gegründet, sieht seine Aufgaben darin, die Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung der Kirchenbauten zu fördern. Dazu sammelt er Spenden und gibt sie weiter. Staatliche Zuwendungen bekommt der Förderkreis nicht. Für Wolfgang Thierse haben die Gotteshäuser über die liturgische eine weitere Bedeutung. In seinen Augen sind es Orte, an denen Menschen etwas über ihre Wurzeln, über ihre kulturelle Herkunft erfahren können, "Orte der Entschleunigung, der Sicherheit". Insofern seien Kirchen ein Angebot an die Menschen "wenn sie offen und Kirchenführer sensibel sind", sagt er. (Seite 15) Kara Huber: "Kirchen in Brandenburg", Prestel-Verlag, ISBN 978-3-7913-5044-8, Preis 29,95 Euro

Märkische Oderzeitung vom 12. September 2010

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