Die fast vergessene Pfarrkirche

von Doris Ritzka

   
Folklore im Schottenrock - ein Erlebnis. 1500 Euro von der Selldach GmbH.
Restauratorin Franziska Peker erläuterte die Bedeutung der mittelalterlichen Farbgebungen in den Fensterlaibungen.
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QUITZOW - Um 1300 erbaut, zählt die Quitzower neben der Rühstädter und der Schilder zu den ältesten Dorfkirchen in der Prignitz. Und bei alten Gebäuden ist man nie vor Überraschungen sicher. Das bewahrheitete sich auch bei der Dachsanierung des Quitzower Gotteshauses. Rund 65 000 Euro waren veranschlagt, um das Dach des Kirchenschiffes von Grund auf wieder auf Vordermann zu bringen und einher damit auch den Traufbereich. Damit ist es eines der größten Vorhaben des Kirchenkreises Perleberg-Wittenberge, so Dr. Andreas Draeger, Vorsitzender des Bauausschusses.

Die Finanzierung auf sichere Füße zu stellen, kostete schon einiges. Und es sollte noch nicht reichen. Trotz umfangreicher Voruntersuchungen wurden letztlich noch mehr Sparen- und Holzbeschädigungen festgestellt. Rund 5000 Euro Mehrkosten stehen am Ende zu Buche. Doch damit nicht genug. Auch die E-Anlage musste erneuert werden. "Die wollten wir eigentlich nicht anfassen", fügt Superintendent Hans-Georg Furian an. Doch alte Alu-Leitungen zogen sich über den Dachboden, der wiederum komplett entkernt wurde. 2500 Euro, die nicht eingeplant waren. Dazu gesellten sich weitere 1200 Euro, denn auf dem Putz der Fensterleibung und Stützen entdeckte Restauratorin Franziska Peker, die die Bauarbeiten begleitete, Farbreste aus dem Mittelalter. Um jene für die Nachwelt zuerhalten, mussten sie gesichert werden.

Summa summarum rund 9000 Euro kam die Sanierung letztlich teurer, Geld, das nun die kleine Kirchgemeinde aufbringen muss. Und dabei erhielt sie Unterstützung aus dem ganzen Dorf.

Am Sonnabend lud die evangelische Kirchgemeinde zu einem Benefizkonzert ein. Die große Hoffnung - 1000 Euro für die Kirchsanierung einzuspielen. Feuerwehr und Förderverein klinkten sich in das Vorhaben mit ein. Applaus, als Andreas Sell, Inhaber der gleichnamigen Dachdeckerfirma, die auch die Arbeiten an der Quitzower Kirche ausführte, einen Scheck über 1500 Euro in der Konzertpause übergab.

Insgesamt 2400 Euro kamen am Sonnabend zusammen, fließen in die Kirchenkasse wie zuvor schon 6000 Euro an Spenden. In einem Brief hatte sich die Gemeinde an die Quitzower gewandt und um Hilfe gebeten. Johannes Guhl gemeinsam mit den drei anderen Kirchenältesten ging selbst von Tür zu Tür. Und sie stießen auf offene Ohren. Einwohner, Betriebe und Firmen ließen sich nicht lange bitten. "Ein Ergebnis, auf das sie wirklich stolz sein können", betont Superintendent Hans-Georg Furian. Es sei Ausdruck dafür, dass es in Quitzow mit der Kirche eine Mitte gibt, wo sich die Dorfgemeinschaft gemeinsam engagiere. Furian sicherte zudem zu, dass die Kirche selbst auch noch Geld beisteuern werde.

Damit ist einer kleinen Kirchgemeinde mit 100 Mitgliedern eine Sache gelungen, die dem ganzen Dorf zur Ehre gereicht. Der Stolz darauf spiegelt sich auch in den Augen von Johannes Guhl wieder. Seit 35 Jahren ist er Kirchenältester. Auch wenn er offiziell dieses Amt nicht mehr bekleidet, ohne geht es nicht, gesteht der 76-Jährige. All die Jahre kümmerte er sich darum, dass alles seine Ordnung hat, fegte, harkte und läutete die Glocken zum Gottesdienst. Ein Amt, dass er trotz elektrischem Geläut immer noch ausübt. Anders das tägliche Feierabendgeläut um 17 Uhr. "Das schaltet sich automatisch ein." Für Johannes Guhl gehört die Kirche einfach ins Dorf, und dass eines der ältesten Gotteshäuser der Prignitz in seiner mittelalterlichen Schönheit erhalten bleibt, daran hat er wie die Kirchgemeinde und das Dorf großen Anteil.

Der Prignitzer vom 21. September 2010

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