THEATER: Bittersüßes Licht der Liebe

Bewegende Momente erwarteten die Zuschauer bei der "Liebelei" in der Putlitzer Kirche

PUTLITZ - Mäuschenstill war es in der großen Putlitzer Kirche zum Ende der Aufführung Arthur Schnitzlers "Liebelei", als der alte Musiker Hans Weiring auf der Bühne gebrochen zusammensinkend ahnte: "Sie kommt nicht wieder." Mit angehaltenem Atem hatten die 80 Zuschauer beim "Theater in der Kirche" die bittersüße Liebesgeschichte seiner Tochter Christine mit dem "feschen" Leutnant Fritz durchlitten.

Der Förderverein zum Erhalt der Kirchturmspitze hatte Regisseurin Heidi Walier mit der Schauspielgruppe des Verein "Theater in der Kirche" auf ihrer diesjährigen Tournee zum ersten Mal in die Putlitzer Kirche eingeladen.

Im Wien des vergangenen Jahrhunderts ging es für das Mädchen Christine aus kleinbürgerlichen, aber gebildeten Verhältnissen, um die Begegnung mit ihrer großen, einzigen Liebe Fritz. Sie wusste jedoch, dass die Standesunterschiede eine dauerhafte Beziehung nicht erlauben würden: "Ich bin nur einmal glücklich gewesen mehr will ich vom Leben nicht", gesteht sie ihrem Angebeteten Fritz. Dieser ist dem gefühlvollen Mädchen sehr zugetan, sein Herz schlägt jedoch für die "Dame in schwarzem Samt". Trotz aller Ablenkungsmanöver der Freunde Mizi und Theodor stellt sich der verzweifelte junge Adlige schließlich im Duell deren Ehemann, und kommt dabei um. Christine sieht keinen anderen Ausweg und nimmt sich das Leben.

Als sie zuvor im Duett mit ihrem Vater, dem Musiker Hans Weiring, ihre Sehnsucht in dem Schubert-Lied "Die Liebe ist ein süßes Licht" intonierte, ahnten die bewegten Theaterbesucher bereits die bitteren Folgen ihrer Leidenschaft.

Für Regisseurin Heide Walier, die seit 2001 mit ihrem Projekt klassisches Theater und viel Herzblut Theater in kleine Kirchen in Berlin und Brandenburg bringt, war die Aufführung in der großen Putlitzer Kirche hinsichtlich Licht und Klang "ein Experiment". Über die gute Resonnanz der als Kammerspiel inszenierten Tragödie war sie sehr erfreut "Die Menschen wollen auch mal bewegt werden" - sonst spielte die Theatergruppe unter ihrer Leitung oft auch Komödien.

Die fünf Schauspieler, die sonst auf großen Bühnen auftreten oder Rollen in Kino und Fernsehen besetzen, brachten mit Können und Hingabe gespieltes Leben in die Putlitzer Kirche. Die Wiener Mundart der waschechten Österreicherin Dori Dodo als "Mizi" belebte die Heiterkeit der anfänglich noch lebenslustigen Plauderei unter den jungen Wiener Freunden.

Ingrid Klaß vom Vorstand des Fördervereins Kirchturmspitze Putlitz ist es wichtig, dass Kirchen auch als Orte für kulturelle Veranstaltungen ins Bewusstsein der Menschen kämen.

Neben dem Theatergenuss konnte sie an diesem Nachmittag auch noch zwei weitere "Premieren"ankündigen: In der Theaterpause war die kürzlich restaurierte Malerei an der Patronatsloge der Putlitzer Kirche zu bewundern und der Hinweis auf das große Bürgerfest zum Wiederaufbau der Kirchturmspitze am nächsten Wochende durfte natürlich nicht fehlen. (Von Susanne Liedtke)

Märkische Allgemeine vom 27. September 2010

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