FEST: Das Beste für Putlitz

Mit neuer Kirchturmspitze in der Gänsestadt ein Denkmal besonderer Art gesetzt

PUTLITZ - Offensichtlich war der Tag der Deutschen Einheit als Zeitpunkt zur feierlichen Einweihung der neuen Putlitzer Kirchturmspitze klug gewählt. Wann zuletzt drängten sich hunderte Menschen durch ein Kirchenportal, um sich gemeinsam einer Idee zu verschreiben? Die geschätzten 450 und gefühlten 1000 Besucher auf den Putlitzer Kirchenbänken, der Empore und den Treppenstufen hätten am vergangenen Sonntagnachmittag das Bekenntnis Pfarrer Volkhart Spitzners mit unterschrieben: "Wir alle sind Putlitz!" Und die Putlitzer freuten sich: Förderverein, Kirchengemeinde und Amtsverwaltung hatten an einem Strang gezogen, um Ort und Kirche mit der neuen Kirchturmspitze wieder ihre altbekannte und geliebte Ansicht zu schenken.

Der Geist dieses gemeinschaftlichen Werkes wehte am Sonntag durch die Stadt: Begleitet vom Fanfarenklang formierten sich Bürger, Vereine und Honorationen der Stadt zu einem Umzug vom Rathaus zur Kirche, um am feierlichen Gottesdienst teilzunehmen. Darin erklärte Pfarrer Volkhart Spitzner, "eine Stadt ist mehr als eine zufällige Ansammlung von Häusern und Menschen", und er verwies in der Predigt auf die 2500 Jahre alte Bibelstelle beim Propheten Jeremia: "Suchet der Stadt Bestes und betet für sie."

Sicher folgte er auch diesem Wahlspruch, als er am 23. Februar 2008 zur ersten Zusammenkunft des Fördervereines zum Wiederaufbau der Putlitzer Kirchturmspitze ins Pfarrhaus einlud. Viele engagierte Bürger und Sponsoren konnten seither gewonnen werden bis in diesem Sommer 2010 die Stadt "ihr Gesicht" zurückgewann, wie Volker Sparre, Superintendent des Kirchenkreises Havelberg-Pritzwalk, sagte.

Mit den ersten Spenden der Männer vom "Stammtisch 10" begann die große Gemeinschaftsaktion, fünf kräftige Stämme Douglasien aus dem Familienwald derer zu Putlitz folgten, und 75 Prozent Brandenburgische Landesmittel brachten den Rest der 140 000 Euro zustande.

In den 800 Jahren gemeinsamer Geschichte hätte seine Familie nicht immer eine glückliche, aber eine wichtige Rolle in der Stadt gespielt, äußerte Unterstützer Giesbert zu Putlitz am Sonntag. Er freute sich, mit dem gespendeten Kirchturmholz ein neues Zeichen der Verbundenheit gesetzt zu haben.

Ingrid Klaß vom Vorstand des Fördervereins dankte sodann auch all jenen, die neben Geld, Holz und Gebet mit tätiger Hilfe zum Erfolg beigetragen haben: Viele Kuchen wären für Veranstaltungen zu Gunsten der Kirchturmspitze gebacken worden. Und einen Beitrag besonderer Art widmete die Dichterin Michaela Trieb ihrer Heimatstadt Putlitz mit der neuen Hymne "Mein schönes Prignitzland". Der Putlitzer Kirchenchor brachte es nun erstmals zu Gehör. Zusammen mit dem Prignitzchor wurde die Feier musikalisch umrahmt.

Auch Bürgermeister Bernd Dannemann freute sich über das wiedergewonnene Wahrzeichen der Stadt, dass ihn 1961 bei seinem ersten Besuch noch begrüßt hatte, "um dann gut 20 Jahre später einfach weg" zu sein. Auf dem Neujahrsempfang 2008 hätte er dem Förderverein Kirchturmspitze die kürzeste Lebensdauer aller Vereine gewünscht und Recht behalten. Es stimmte beinahe traurig, dass sich der Verein mit Erfüllung seines Zweckes zum Jahresende auflösen wird.

Vorstellungen der Putlitzer Vereine und Aufführungen der Kitagruppen rundeten den Tag auf dem Kirchhof ab. Was mit Fanfaren begann, endete schließlich im großen Feuerwerk: Bei Kaffee, Kuchen, Wein und Musik ließ der freundliche Herbsthimmel die Gänsestädter bis in den Abend hinein ihr "Spitzenwerk" feiern. (Von Susanne Liedtke)

Märkische Allgemeine vom 05. Oktober 2010

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