GOTTESDIENST: "So viele Menschen wie noch nie"

Gemeinde feierte Wiedereinweihung der Gruber Kirche / Horst Kluge verabschiedet

GRUBE (Prignitz) - Selbst das älteste Mitglied des Gruber Gemeindekirchenrates, Horst Kluge, konnte sich nicht erinnern, dass mehr Menschen in der Dorfkirche zusammenkamen als am Sonntag zum Festgottesdienst anlässlich der Wiedereinweihung des Gotteshauses. Pfarrerin Ursula Rochusch überreichte aus diesem schönen Anlass einen "Riesenschlüssel" an die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Annette Schulze. Außerdem wurden das Erntedankfest gefeiert und Horst Kluge aus seinem Amt verabschiedet. Der Altarraum war entsprechend festlich geschmückt mit Erntekrone, großem Blumenstrauß und originellem "Früchterad".

Annette Schulze freute sich: "Nach nur vier Monaten Bauzeit erstrahlt unsere Kirche heute im neuen Kleid in den Farben Schwarz, Weiß und Rot." Ende 2007 wurden erhebliche konstruktive Schäden an der Kirche festgestellt. Anfang 2008 mussten infolge akuter Einsturzgefahr die Winterkirche und die Nordseite der Kirche gesperrt werden. Es folgten sofort Notsicherungsmaßnahmen und die Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes, mit dem 2009 Fördermittelanträge gestellt wurden. Die Sanierung unterstützten sieben Fördergeber. Baubeginn war im Mai 2010. Annette Schulze erinnerte: "Die Jugendlichen aus dem Dorf haben in einer gemeinsamen Aktion bei leider sehr vielen und starken Regenschauern durchgehalten und die alte Dacheindeckung abgenommen. Anschließend wurde bei strahlendem Sonnenschein und afrikanischem Fußballweltmeisterschaftswetter mit der Fachwerksanierung begonnen." Dazu wurden die unteren Ausfachungen entfernt und die Schwellen ausgebaut: "Zeitweilig schwebte unsere Kirche natürlich auf einer stabilen Stützkonstruktion."

Überraschungen gab es dann auch. Im Bereich der Winterkirche waren nicht nur die Balkenköpfe der Decke weggefault und haben somit zu Verschiebungen und zur teilweisen Einsturzgefahr beigetragen: "Auch der Stiel zwischen Anbau und Empore war voller Ameisen, die seit vielen Jahren hier wohnten und alles Holz im Inneren zerstört hatten. Die Ameisen mussten samt Balken ausziehen und ein neuer Eichenstiel mit circa 220 Kilogramm Gewicht wurde eingebaut. Die Rückwand wurde dann durch den Zimmerermeister in ihre alte Position gebracht. Unter Ächzen und Knarren des ganzen Gebälks wurde die gesamte Wand acht Zentimeter nach innen gezogen." Anschließend hat der Maurermeister alle Feldsteinfundamente stabilisiert und neue Putzkissen an den Fachwerkaußenwänden angebracht. Alle Fenster wurden durch den Tischlermeister überarbeitet. Dazu wurden die Fenster in ihre drei Bestandteile Holz, Glas und Metall zerlegt. Die Bleiglasscheiben wurden neu verbleit, der Tischler hat die Rahmen repariert und der Schmied neue Windeisen geschmiedet. Alle Eingangstüren wurden in Eichenholz erneuert, sie werden die nächsten Generationen sicher überstehen. Der Restaurator mit seinen Kollegen hat dann in den folgenden Wochen in mühevoller Kleinarbeit die Malereien an der Empore freigelegt.

"Nach dem schönen Fußballwetter folgte leider wieder viel Regen," so Schulze, "und unsere Planen, die inzwischen drei Monate das Dach geschützt haben, hielten nicht mehr dicht. Der Dachdeckermeister musste dringend ran und hat Anfang September das inzwischen sanierte Dach mit neuen Biberschwanzziegeln eingedeckt. Nun hatten wir ein dichtes Dach und die Malerarbeiten konnten beginnen."

Einige Arbeiten hat sich der Gemeindekirchenrat noch aufgehoben. So sollen alle Bänke Sitzkissen erhalten. Im hinteren Bereich ist Platz für Vitrinen. Hier soll aus der Bauphase und der Geschichte der Kirche berichtet werden. Im vorderen Bereich fehlt noch die Beleuchtung. "Hier sind wir dabei, ein Konzept mit dem kirchlichen Bauamt und der Denkmalpflege abzustimmen", so die Vorsitzende, deren Dank allen am Bau beteiligten Handwerkern, Förderern und Unterstützern galt. (Von Wolfram Hennies)

Kirchen-Geschichte

Die Gruber Kirche, ein schlichter Saalbau, wurde 1578 anstelle eines Vorgängerbaus in Fachwerk unter dem Patronat der Quitzower errichtet. Wissenschaftliche Untersuchungen datieren das Kirchenschiff als älteste Fachwerkkirche der Prignitz. Wh

Märkische Allgemeine vom 12. Oktober 2010

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