RELIGION: Eine Kirche braucht Hilfe

Das Geld für die Sanierung des Gotteshauses ist aufgebraucht / Spendenaufruf an die Flatower

FLATOW - Karlheinz Sandow scheint es gar nicht zu stören, dass ein empfindlich kühler Wind durch die Flatower Kirche pfeift. Sandow steht auf einem Gerüst vor dem Bogenfenster im Nordflügel und schneidet mit Engelsgeduld Scheibe für Scheibe für die neue Verglasung aus. 32 kleine Scheiben pro Fenster muss er zuschneiden. Und es macht ihm einen Heidenspaß, denn seine Flatower Kirche liegt ihm wirklich am Herzen. Mindestens 20 Jahre seines Arbeitslebens hat Karlheinz Sandow in Kirchen zugebracht, als Kirchenmaler hat er viele alte Gotteshäuser restauriert. Nun könnte sich der 69-Jährige eigentlich zur Ruhe setzen. Doch es gibt noch zu viel zu tun in der Flatower Kirche. Acht Fenster müssen neu verglast werden, etliche Scheiben sind geborsten oder fehlen ganz und gar. "Wir machen alles unter denkmalpflegerischer Erlaubnis", sagt Sandow und zeigt stolz das luftgeblasene Antikglas hoch, das aus Bayern geliefert wurde. Im Südflügel ist er mit der Arbeit schon fertig. Alle Scheiben sind verkittet, nur eine nicht. Und das hat seinen Grund. "Da könnten die Namen der Spender eingraviert werden", sagt Sandow, der gleichzeitig als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates spricht. Und als solcher möchte er die Flatower um Spenden bitten, damit die Sanierung der Kirche weitergehen kann. "Vielleicht tun sich mehrere Familie zusammen und spenden ein ganzes Fenster", schwebt ihm so vor. Ein Fenster kostet 400 Euro.

Mit seiner Bitte nach Spenden trifft Sandow bei Ortsvorsteher Gert Dietrich auf offene Ohren. Dietrich zählt zwar weiß Gott nicht zu den fleißigen Kirchgängern, aber wenn es darum geht, die Kirche und das große Kirchengelände in Ordnung zu bringen, ist der Ortsvorsteher sofort zur Stelle und packt kräftig mit an. Den Aufruf an die Flatower kann er nur von Herzen unterstützen. Und, um zu zeigen, wie ernst es ihm ist, lässt er sich nicht lumpen und zieht fünf 20-Euro-Scheine aus der Tasche. "Das ist mit meiner Frau abgesprochen", grinst Dietrich und trägt sich in die Spendenliste ein. Mit der Liste werden sie bald durchs Dorf ziehen und sehen, ob Geld für die Kirche zusammenkommt.

Die Sanierung der Fenster sollte ursprünglich 20 000 Euro kosten, stand im Voranschlag. So viel Geld konnte der Kirchenrat nicht auftreiben. Weil Sandow nun alles allein macht, ohne einen einzigen Cent dafür zu bekommen, konnten neue Scheiben, Fensterkitt und Farbe für 3000 Euro gekauft werden. Bis Weihnachten sollen die Fenster fertig und wenigstens einmal gestrichen sein. "Heiligabend soll es doch schön aussehen", sagt Sandow.

Ganz wird sein Wunsch nicht in Erfüllung gehen, denn die Risse im Südflügel und die schadhaften Stellen im Mauerwerk werden immer größer. "Schon vor drei Jahren wollten wir dafür Geld haben", sagt Gert Dietrich. Aber mit Fördermitteln hat es nie geklappt. 10 000 Euro werden im Frühjahr für den Südflügel gebraucht. "Wenn man hier getauft, konfirmiert und getraut wurde, dann möchte man diese Kirche auch erhalten", sagt Karlheinz Sandow und hofft, dass es anderen auch so geht.

Wer spenden möchte, kann sich bei Karkheinz Sandow unter 033055/7 38 00 melden. (Von Andrea Kathert)

Märkische Allgemeine vom 16. Oktober 2010

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