ARCHITEKTUR: Vergebliche Entwürfe

Um den Neubau der Kirche zu Dippmannsdorf wurde lange gerungen

DIPPMANNSDORF - Im Herbst 1860 fand nach einjähriger Bauzeit die Einweihung der Kirche zu Dippmannsdorf statt. Die Vorgeschichte des markanten Fachwerkbaus hatte schon drei Jahrzehnte früher begonnen.

Anno 1830 besichtigte Kreis-Bauinspektor Hecker den Vorgängerbau der heutigen Kirche, der möglicherweise 1705 errichtet worden war. Der Bericht des Bauinspektors über dieses damalige Kirchengebäude fiel keineswegs positiv aus: die Kirche sei im baulich schlechten Zustand und zudem auch viel zu klein. Man errechnete, dass 41 Männersitze und 48 Frauensitze fehlten. Hecker machte Vorschläge für eine Instandsetzung und Erweiterung des maroden Hauses.

Allein die Dippmannsdorfer verwarfen diese Vorschläge. Der Grund: 1826 hatte ein Großbrand fast das gesamte Dorf vernichtet, wovon sich die Gemeinde auf Jahre hinaus wirtschaftlich nicht erholen konnte.

Im Jahre 1834 machte sich der neue Kreis-Bauinspektor Herbig ein Bild von der Dippmannsdorfer Kirche, deren Zustand sich weiter verschlechtert hatte. Herbig schrieb, dass eine Hauptreparatur verbunden mit einem Anbau nicht ratsam sei, sondern eigentlich nur ein Neubau infrage käme. Da aber "bei der anerkannten Dürftigkeit der Gemeinde" die Mittel für einen Neubau schwer zu beschaffen seien und daher das alte Gebäude vorerst weiter genutzt werden solle, ordnete Herbig das Anbringen von Steifen zur Sicherung der maroden Außenwände an.

Zwei Jahre darauf projektierte Herbig eine neue Dippmannsdorfer Kirche. Er entwarf einen Fachwerkbau unter Beibehaltung des Turmes der alten Kirche. Dieser Entwurf wurde nicht realisiert, wohl weil das nötige Geld fehlte. Stattdessen vermehrte man 1838 die Zahl der Sicherungs-Steifen, da laut Anzeige des zuständigen Pfarrers Uhlmann die Einsturzgefahr zugenommen hatte. Doch Anfang des Jahres 1845 sah sich die Regierung Potsdam dann doch dazu veranlasst, das Gotteshaus wegen Einsturzgefahr zu schließen.

Mittlerweile hatte Franz Wilmanns in Jüterbog, Herbigs Nachfolger als Kreis-Bauinspektor, den Auftrag erhalten, dessen Neubau-Projekt von 1836 zu überarbeiten. In Erfüllung dessen schuf Wilmanns seinen eigenen Entwurf für eine neue Dippmannsdorfer Kirche. Er orientierte sich zum einen an Herbigs altem Projekt, zum andern am Normalkirchen-Konzept Karl Friedrich Schinkels. Wilmanns hatte selbst unter Schinkel gearbeitet.

Im Ergebnis entstand auf dem Zeichenbrett eine Ziegelfachwerk-Kirche, deren ungewöhnliches Äußeres Anleihen an den Tudorstil zeigte, insbesondere was die Fensterbögen betraf. 1847 lag Wilmanns Entwurf vor – und verschwand in der Schublade! Eine Finanzierung war wahrscheinlich immer noch nicht in Aussicht.

Unter der Einwohnerschaft Dippmannsdorf wuchs indessen der Unmut darüber, die alte ungenutzte Dorfkirche mehr und mehr verfallen zu sehen. Pfarrer Uhlmann beantragte 1850 den Wiedergebrauch des Gotteshauses, was aus bautechnischen Gründen prompt abgelehnt wurde. So war in der Dippmannsdorfer Kirchen-Angelegenheit absoluter Stillstand eingetreten: Einerseits wurde die Instandsetzung und erneute Nutzung des alten Gotteshauses von höherer Stelle abgelehnt, andererseits wur-de aus finanziellen Erwägungen ein Neubau nicht in Angriff genommen. Überraschenderweise brachte dann 1852 ein Gerücht Bewegung in die Sache.

Und zwar soll der in Dippmannsdorf ansässige Oberförster sinngemäß geäußert haben, wenn sich die evangelische Kirchenleitung nicht um das Dippmannsdorfer Gotteshaus kümmere, so solle die ganze Dorfgemeinde ganz einfach zum katholischen Glauben übertreten. Das Gerücht erwies sich als falsch, löste aber beim evangelischen Konsistorium der Provinz Brandenburg eine rege Betriebsamkeit aus. 1853 gab es plötzlich in der Provinz eine Kollekte zugunsten des Dippmannsdorfer Kirchenbaus, die 483 Taler, 28 Groschen und 8 Pfennige einbrachte. Ein Baufonds wurde angelegt – und Wilmanns’ Entwurf von 1847 wieder aus der Schublade geholt. Endlich konnte er ab Herbst 1859 durch die Maurerfirma Eiserbeck in die Wirklichkeit umgesetzt werden, nachdem zuvor die traurigen Reste der alten Kirche verschwanden. Der Kirchen-Neubau dauerte bis Herbst 1860 und verschlang rund 3400 Taler, darunter ein königliches "Gnadengeschenk" von 1000 Talern. Am 4. November 1860 wurde das neue Gotteshaus feierlich eingeweiht. Es ist ein markantes Wahrzeichen von Dippmannsdorf. (Von Matthias Helle)

Märkische Allgemeine vom 13. November 2010

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