DENKMALSANIERUNG: Schwamm in jedem Balken

Kirche von Keller weit schlimmer befallen als zunächst befürchtet

KELLER - Der Schwammkopf ist in der Kirche von Keller nicht gern gesehen. Dabei sitzen meist mehr Schwammköpfe unter dem Kirchendach als Gottesdienstbesucher. So gut wie jeder Balkenkopf des Dachstuhls im Kirchenschiff ist von dem Pilz befallen, der das Holz und die Mauersteine zerstört. "Dass wir Schwamm in der Kirche haben, wussten wir", sagt Pfarrer Holger Baum. Das Ausmaß des Befalls allerdings erweist sich nun als deutlich größer als zunächst befürchtet. Je näher am Turm die Balken liegen, desto stärker sind sie vom Schwamm zersetzt. Der ebenfalls vom Schwamm befallene Kirchturm war bereits im vergangenen Jahr saniert worden (die MAZ berichtete).

Klar ist für den Pfarrer nun auch, dass das vorhandene Geld nicht reichen wird, um die Kirche fertig zu sanieren. Er wird sich um weitere Zuschüsse und Spenden bemühen müssen. Ein Förderverein hatte von Februar 2008 bis November 2009 bereits mehr als 34 000 Euro an Spenden gesammelt. 10 000 Euro gab die Stadt Lindow dazu. Vor allem aber bezahlt die Landeskirche die Sanierung.

Vier Männer von der Baudenkmalpflege Prenzlau entfernen nun in Handarbeit zunächst die Zwischendecke der 267 Jahre alten Dorfkirche. Zwischen den Deckenbalken sind Holzstaken eingeschoben, umwickelt mit Stroh und Lehm eine Fummelarbeit.

Dann werden die befallenen Balkenköpfe großzügig abgesägt und neue Enden an die mächtigen Holzstücke angesetzt. Stück für Stück wird so die gesamte Dachkonstruktion des Kirchenschiffs dort erneuert, wo es auf den Außenmauern aufliegt. Unter dieser Operation leidet auch das Innere der denkmalgeschützten Dorfkirche. Trotz aller Vorsicht konnten die Bauarbeiter es nicht überall vermeiden, dass der Stuck reißt und abplatzt. Pfarrer Holger Baum macht sich vor allem Sorgen um den Altar und um die empfindliche Orgel. Die ist zwar dick in Folie eingepackt, doch der Staub dringt in die kleinsten Ritzen.

Den morgigen Ewigkeitssonntag wird die Kirchengemeinde von Keller in der Lindower Stadtkirche feiern müssen, und auch Weihnachten werden die Gläubigen noch nicht wieder in ihrer Dorfkirche feiern können davon geht der Pastor inzwischen fest aus.

Als heute vor einem Jahr die Bekrönung des Kirchturms gefeiert wurde, hatten viele Gemeindeglieder noch gehofft, "Oh Du Fröhliche" im nächsten Jahr wieder in ihrer eigenen Kirche zu singen. (Von Christian Kranz)

Märkische Allgemeine vom 13. November 2010

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