SANIERUNG: Präzisions-Puzzle für den Dachstuhl

Chemische Sperre soll den Schwamm in der Kirche von Keller künftig in Schach halten

KELLER - Paul-Gerhard Schneider schneidet durch den halbmeterdicken Balken wie durch Butter. Dann hobelt er die Schnittstelle glatt. Aus dem Holzstück wird ein riesiges Präzisions-Puzzleteil für den Dachstuhl der Kirche von Keller eines von Dutzenden.

Die Zimmerleute der Baudenkmalpflege Prenzlau leisten derzeit im kalten Novemberregen Schwerstarbeit, und sie werden mindestens noch vier Wochen brauchen, um den Dachstuhl der Kirche von Keller auszubessern. Denn der Dachstuhl ist einmal rund um die Kirche rum vom Schwamm befallen (die MAZ berichtete).

Gestern war wieder einmal Bauberatung. Der Bauleiter Wolfgang Schwelgin vom Ingenieurbüro rechnet damit, dass die Dachziegel auf dem Kirchenschiff noch kurz vor Weihnachten gedeckt werden können. Je nachdem, wie das Wetter wird, kann sich das aber auch noch bis in den Januar hinziehen.

Zu den Kosten möchte sich der Planer derzeit öffentlich noch nicht äußern, ehe er mit dem Kirchenkreis darüber gesprochen hat. Sicher ist aber: Es kommt einiges hinzu. Denn der Schwamm hat sich in der 267 Jahre alten Dorfkirche weit mehr ausgebreitet als ursprünglich befürchtet. Auch im Mauerwerk sitzt der Pilz dort, wo die Dachbalken auflagen. Die Bauarbeiter haben deshalb die Mauer von oben großzügiger abgetragen als geplant.

Bekämpft werden soll der Schwamm mit einer chemischen Sperre. Eine Garantie, dass er nach der Sanierung nicht wiederkommt, sei das aber nicht, sagt Wolfgang Schwelgin. "Der Schwamm ist da auch in Ihrer Wohnung zuhause. Aber er braucht ein bestimmtes Klima zum Wachsen." Solange keine Feuchtigkeit ins Dach eindringe, genüge die chemische Sperre, ihn in Schach zu halten.

Die 1743 erbaute Kirche steht unter Denkmalschutz. Seit dem Frühjahr 2009 wird sie saniert. Im ersten Bauabschnitt bekam der Turm bereits seinen barocken Sandsteinputz, die Turmspitze und die Turmuhr zurück. Seit Juni dieses Jahres wird das Kirchendach erneuert. Im nächsten Jahr soll dann das Kirchenschiff neu verputzt werden.

Finanziert wird die mehrere hunderttausend Euro teure Sanierung durch Geld der Landeskirche. Ein Förderverein, Privatleute, Betriebe und die Stadt Lindow steuerten fünfstellige Beträge bei. (Von Christian Kranz)

Märkische Allgemeine vom 19. November 2010

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