"Bin beeindruckt von Neulietzegörickern"

Neulietzegöricke (moz) Die Dorfkirche in Neulietzegöricke wird in diesem Jahr 170 Jahre alt. Zum Festgottesdienst wird am Sonnabend Markus Dröge, Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, erwartet. Nadja Voigt sprach im Vorfeld mit ihm.

 
© Jens Bösenberg

Märkische Oderzeitung: Herr Bischof Dröge, ist es Ihr erster Besuch im Oderbruch?

Ja, ich komme zum ersten Mal ins Oderbruch. Aber ich habe schon viel gehört und freue mich ungemein auf den Besuch, auf die Landschaft. Mir ist aber auch bewusst, welche Kämpfe es in den letzten Kriegswochen auf den Seelower Höhen gegeben hat und wie viele Menschen damals im Oderbruch ihr Leben verloren haben. Auf unserer Landessynode haben wir uns vor wenigen Wochen intensiv mit der CCS-Technologie befasst und die Sorgen, die jetzt aktuell sind, wahrgenommen.

Welches Signal wollen Sie mit dem Besuch aussenden?

Mich beeindruckt sehr, wie viel Kraft und Fantasie die Kirchengemeinde ebenso wie die Ortsgemeinde aufgebracht haben, um die kleine Kirche zu erhalten. Die Landeskirche, die Europäische Union, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Land Brandenburg haben die Sanierung gemeinsam gefördert. Aber auch die beste Förderung nützt nichts, wenn es nicht Männer, Frauen und Kinder gibt, die zeigen: Unsere Kirche ist kein Museum. Für dieses Engagement will ich allen danken, die mitgeholfen haben.

Wie wichtig ist es, solche Kirchjubiläen zu feiern?

Jubiläen sind wie runde Geburtstage eine Einladung, inne zu halten, dankbar zurückzublicken und hoffnungsvoll nach vorne zu schauen. Wir machen uns neu bewusst, was uns in einer Kirche im Namen Gottes zugesprochen wird und was wir uns selbst nicht sagen können: Trost, Vergebung und Ermutigung. Und natürlich sind Jubiläen auch ein guter Anlass, miteinander zu feiern.

Welche Bedeutung hat das für die Kirchgemeinde?

Sich an seine Wurzeln zu erinnern, ist wichtig, um in die Zukunft schauen zu können. Die Kirchengemeinde kann stolz auf ihre 170-jährige Geschichte sein. Kirchjubiläen verbinden Tradition mit dem gegenwärtigen Gemeindeleben und dem Leben des ganzen Dorfes. Als Neulietzegöricke gegründet wurde, zogen Menschen aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich her, um das Oderbruch trocken zu legen. Sie wagten einen mutigen Schritt. Sich daran zu erinnern heißt Kraft schöpfen, um wieder neue Wege zu wagen.

Wie wichtig ist der Erhalt der Gotteshäuser?

In der Brandenburger Landschaft markieren die Kirchtürme, wie der christliche Glaube die Region geprägt hat. Auch 40 Jahre staatlich verordneter Atheismus hat diese Prägung nicht aufgehoben. Ich bin gespannt zu hören, wie die Kirchen im Oderbruch, besonders die in Neulietzegöricke eingebunden werden können in die vielen Initiativen wie die "Kunst-Loose-Tage", die im Oderbruch so eine große Anziehung haben. Und vielleicht gibt es auch eine Kooperation mit dem "Theater am Rand", von dem ich schon so viel gehört habe. Ich wünsche mir sehr, dass hier gut besuchte Gottesdienste gefeiert werden, aber auch Konzerte und Lesungen stattfinden.

Was wird das Thema der Predigt sein?

Ich werde an den Mut erinnern, den schon die ersten Siedler von Neulietzegöricke hatten, eine Kirche zu bauen und ihren Glauben als einen einladenden Glauben auch in dünnbesiedelter Gegend zu leben. Ich werde Gott und all denen danken, die für die Sanierung der Kirche eingestanden haben und sie auch künftig erhalten. Natürlich wird auch der Ewigkeitssonntag Thema meiner Predigt sein. An diesem letzten Sonntag im Kirchenjahr erinnern wir uns, wie begrenzt unser Leben ist.

Märkische Oderzeitung vom 20. November 2010

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