Landesbischof ermuntert zur Missionsarbeit

Neulietzegöricke (moz) Eine so volle Kirche erlebe man nicht alle Tage, freute sich Gisela Sommer von der Kirchengemeinde bei ihrer Begrüßung in dem Neulietzegöricker Gotteshaus, dessen 340 Sitzplätze fast ausgefüllt waren. Und ginge es nach Markus Dröge, Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, dann sollte die Kirche zu allen Gottesdiensten so belebt sein. Denn bei seinem ersten Besuch im Oderbruch, der ihn am Sonnabend zum Festgottesdienst in das älteste Kolonistendorf führte, rief er die Neulietzegöricker zur Missionsarbeit auf: "Lassen Sie uns wieder Kolonisten sein, Kolonisten des Glaubens, die in unserer Welt Kolonien des Glaubens und des Vertrauens schaffen!" Keiner müsse sich bedrängt fühlen von christlichen Symbolen in der Öffentlichkeit, sagte Dröge zu aktuellen Forderungen, das Kreuz aus öffentlichen Gebäuden zu entfernen.

 
Angetan vom Miteinander der politischen und Kirchengemeinde: Landesbischof Markus Dröge würdigte in seiner Predigt die Neulietzegöricker Bürger für ihr gemeinschaftliches Werk, die Sanierung ihrer 170 Jahre alten Dorfkirche.
Foto: MOZ/Jens Sell

Zuvor hatte Bürgermeister Horst Wilke das Bekenntnis der Gemeinde zu ihrer Kirche erneuert: "Die Gemeinde sitzt mit im Boot." Die schon immer fruchtbare Zusammenarbeit wurde auch schriftlich vereinbart, um Fördermittel für die Sanierung zu erlangen. So soll das Gotteshaus späterhin wie schon früher auch mit Konzerten und Ausstellungen alle Dorfbewohner anziehen. Wilke hatte sich vor zehn Jahren an das Kirchenbauamt mit der Bitte um Hilfe gewandt, doch erst 2008/09 gelang es mit einer Bürgerinitiative, Fortschritte zu erreichen.

Pfarrer Hans-Peter Nitsch las aus Paulus’ Brief an die Konrinther, wo sich der Apostel als Bauleiter bezeichnete, der frohgemut ans Werk gehen kann, weil Jesus Christus der feste Grund sei, auf dem er den Bau errichte. Insofern stehe auch die Kirche von Neulietzegöricke seit 170 Jahren auf dem festen Grund.

Landesbischof Markus Dröge schlug den Bogen vom Korintherbrief bis zur Bergpredigt: "Jesus sagte am Ende der Bergpredigt: Wer diese Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Felsen baut. Wer sie aber hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baut."

In seinen bauhistorischen Ausführungen relativierte der Chronist der Kirchengemeinde Friedrich Regenberg den festen Grund: "Natürlich gründet unser Glauben in Jesum Christ fest, doch die Fundamente unserer Kirche stehen so wie die aller Gebäude im Oderbruch auf wackligem Grund." Deshalb musste man sich immer mühen, sie zu stabilisieren. Schließlich hatten sich gar die Ecken abgesenkt.

Grüße vom Förderkreis Alte Kirchen und eine 2000-Euro-Zuwendung überbrachte Wolf-Rainer Marx. Es sei bereits die zweite Spende des Förderkreises für die Kirche in Neulietzegöricke, das gilt als große Ausnahme.

Zum Festgottesdienst waren Gläubige aus dem ganzen Oderbruch und darüber hinaus im ältesten Kolonistendorf zusammengeströmt. Schülerinnen und Schüler der Kreismusikschule Märkisch Oderland gestalteten den musikalischen Teil. Besonders zu Herzen ging dabei Händels Air in G-Dur, das die sechsjährigen Sophia Rau, Violine, und Johann Schmiedel am Violoncello darboten. Bemerkenswert ebenfalls Poulenc’ Sonate für Klarinette und Klavier, interpretiert von Benedikt Prumbs, der beim jüngsten Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" mit dem Holzblasinstrument ein "sehr gut" erspielen konnte, und Lidia Kalendareva am Piano.

Im Anschluss an den Festgottesdienst trafen sich die Teilnehmer in einem großen Zelt zu Imbiss und Gesprächen.

Märkische Oderzeitung vom 21. November 2010

   Zur Artikelübersicht