Rettung für Gotteshaus in allerhöchster Not

Chorin (moz) Noch ist die Gefahr längst nicht gebannt. Die eigentliche Sanierung steht aus. Es ist lediglich eine Notsicherung, die die Chemnitzer Firma in der Kirche Golzow realisiert. Mit hölzernen Konstruktionen stützen die Zimmerer das morsche Dachgebälk ab.

"Am 8. August 2008 habe ich hier in der Kirche geheiratet", erzählt Bianka Wrensch vom Golzower Gemeindekirchenrat. Damit war ihr Traum von einer Trauung im heimischen Gotteshaus (noch) wahr geworden. "Ich glaube, das war die vorerst letzte Trauung." Danach zeigten sich nämlich die Schäden im Dachgebälk von Kirchenschiff und -turm (mit 63 Metern immerhin der höchste im Oberbarnim). Schnell war klar: Der schöne äußere Schein der Golzower Kirche, er trügt.

Das Schadensbild nahm immer größere Ausmaße an. 2009 starteten Gemeindekirchenrat und Heimatverein die Aktion "Denkmal in Not". Man sammelte Geld, schrieb Konzepte. Die Kirchengemeinde verkaufte sogar das Pfarrhaus. Im Spätsommer dieses Jahres wollte Pfarrerin Beatrix Spreng den Fördermittelantrag stellen. Dazu sollte es nicht mehr kommen. Die Ereignisse und Hiobsbotschaften von der Front der Statiker und der Sachverständigen überschlugen sich förmlich. Nach der jüngsten Begutachtung sperrte die Kirchengemeinde ihr Gotteshaus. "Alles andere wäre unverantwortlich gewesen", sagt Spreng. Die Pläne von einer touristischen Nutzung, von Konzerten, man musste sie ad acta legen.

"Mit einer solchen Dramatik haben wir nicht gerechnet", gesteht sie. Das Dach hätte jeden Tag einfallen können. Schnelles Handeln war gefragt. Eine Notsicherung musste her. Und zwar für das Kirchenschiff wie auch für den Turm. "Der Turm hat sich inzwischen sogar geneigt, dass es mit dem bloßen Auge sichtbar ist", macht Spreng die Brisanz des Falls deutlich.

Die Devise lautete: "Wenn nicht sofort etwas passiert, brauchen wir auch keinen Fördermittelantrag mehr", redet Wrensch Klartext. Dank Zuschüssen vom Landkreis, vom Kirchenkreis sowie von der Landeskirche konnte Golzow für rund 20 000 Euro die Notsicherung in Auftrag geben. Seit voriger Woche sind die Zimmerer zu Gange. Sie haben das Haus Gottes in eine Baustelle verwandelt. Die ersten riesigen Stützen stehen, geben der Empore Halt. "Hoffentlich", sagt Bianka Wrensch. Und immer wieder geht der bange Blick nach oben.

Märkische Oderzeitung vom 22. November 2010

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