KULTUR: So weich wie Pfefferkuchen

Die Spendenaktion "Menschen helfen Engeln" geht in das zweite Jahr

WÜNSDORF - In einer Kiste auf Luftpolstertaschen gebettet liegen die Überreste eines Taufengels. Rostige Nägel ragen aus einem Arm heraus, unzählige winzige Löcher überziehen das Holz, das unter den Resten der Farbschicht hell hervorquillt der Holzwurm und die lange Zeit auf dem Dachboden der Niebendorfer Kirche haben dem Engel zugesetzt.

Im Frühjahr 2008 wurden die Fragmente entdeckt, wie Pfarrer Joachim Boekels erzählt. In der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege und des Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) stellte sich heraus, dass die gefundenen Teile zu zwei Engeln gehören: Ein Engel stammt aus der Heinzdorfer Kirche, die 1970 niederbrannte, der zweite aus der Dorfkirche in Niebendorf. Beide waren in Vergessenheit geraten. "Ich habe mit der ältesten Niebendorferin gesprochen. Sie ist 96 Jahre alt und wusste nichts von den Engeln", sagt Boekels. Umso mehr freut er sich, dass die Engel nun doch noch gerettet werden.

Mit weiteren Taufengeln aus Brandenburg werden sie in der Restaurierungswerkstatt des BLDAM konserviert und so vor dem weiteren Verfall geschützt. Restaurator Werner Ziems, der die Holzwerkstatt mit Sabine Stachhat leitet, schätzt, dass die beiden Engel aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen. Beide, so der Restaurator, wurden von dem selben Schnitzer gefertigt.

Deshalb ist es auch möglich, den Kopf nachzuformen, denn der besser erhaltene Engel wurde "kopflos" geborgen. Seit zwei Wochen arbeitet Praktikant Martin Pleß daran. "Die Schwierigkeit besteht darin, die individuellen Züge nachzuahmen", beschreibt der gelernte Holzbildhauer, der nach dem Jahrespraktikum Restauration studieren möchte, seine Arbeit an diesem "Großprojekt". Die Konservierung der beiden Engel sei langwierig und vor allem bei dem stark beschädigten Engel eine große Herausforderung: "Er ist so weich wie Pfefferkuchen", beschreibt Martin Pleß die Beschaffenheit des Materials.

Hilfe bekommen die Niebendorfer Taufengel im Rahmen der Aktion "Menschen helfen Engeln", die nun in das zweite Jahr geht. Dahinter stehen das BLDAM, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Zum Auftakt veranstaltete das BLDAM am Mittwoche eine Pressekonferenz. Unter den Gästen waren Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und selbst Taufengelpatin, Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, und Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. "200 Spender unterstützten die Aktion im ersten Jahr", lautet das positive Fazit von Bernd Janowski. Sie spendeten insgesamt rund 25 000 Euro. Sogar drei Patenschaften wurden übernommen. Die Bilanz: Vier der sechs im ersten Aktionsjahr vorgestellten Engel sind bereits restauriert, bei den zwei noch verbliebenen ist die Finanzierung geklärt.

Dieses Ziel wünschen sich die Beteiligten der Aktion auch für das zweite Spendenjahr. Wieder wurden sechs Taufengel exemplarisch ausgewählt. Sie stammen aus verschiedenen Regionen. Ihr Zustand ist sehr unterschiedlich. Einige sind noch recht gut erhalten, andere, wie die Niebendorfer Engel, haben ein schweres Schicksal erlitten. Rund 50 000 Euro werden die Arbeiten zum Erhalt dieser Engel insgesamt kosten. Doch auch andere Taufengel können von Spendern oder Paten unterstützt werden.

"Der Bestand der Taufengel in Brandenburg ist mittlerweile auf 150 Stück angewachsen", sagt Werner Ziems. Damit ihr Bestand nicht weniger wird, sei noch viel zu tun. "46 Engel sind akut restaurierungsbedürftig", betont der Restaurator. Denn auch wenn nur noch Fragmente übrig geblieben sind, so haben die Engel doch ihre Daseinsberechtigung als Zeichen der Kulturgeschichte.

Spenden gehen auf das Konto Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., Konto: 5199767005, BLZ: 100 900 00, Stichwort: Taufengel. Weitere Infos unter www.altekirchen.de. (Von Steffi Bojahr)

Märkische Allgemeine vom 25. November 2010

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