Himmelsboten retten: Wieder Spender für Taufengel gesucht

von Benjamin Lassiwe

 
Wird auch gerettet: Der etwa 200 Jahre alte Engel aus der Kirche in Laasow.
dpa

WÜNSDORF/PRIGNITZ - Die Flügel sind ab, der Körper ist verschmutzt, an Kopf und Haaren tat sich der Holzwurm gütlich: Der kleine, aus dem 18. Jahrhundert stammende Taufengel aus der Kirche im Prignitzort Berge ist in einem beklagenswerten Zustand. Ursprünglich hing der aus Lindenholz geschnitzte Himmelsbote in der 1968 abgerissenen Dorfkirche von Hülsebeck: Wurde dort ein Kind getauft, ließ man den Engel von der Kirchendecke herab. In seinen Händen trug die Figur jene Schale mit dem Wasser, das der Pfarrer für die Zeremonie nutzte. Künftig soll der Engel, im übertragenen Sinne, wieder fliegen können. Und auch für ihre Taufen wollen die Christen in Berge die Barockfigur wieder nutzen: Zusammen mit dem Himmelsboten aus dem uckermärkischen Ziemkendorf und vier weiteren Figuren steht er in diesem Jahr im Zentrum der Aktion "Menschen helfen Engeln".

Bereits im vergangenen Jahr warben die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), das Landesdenkmalamt und der Förderkreis Alte Kirchen unter diesem Motto um Spenden für die Restaurierung einiger besonders bedrohter Taufengel. Insgesamt 25 000 Euro kamen dabei zusammen, sagt der Geschäftsführer des Förderkreises, Bernd Janowski. Vier der damals auch im "Prignitzer" vorgestellten Engel seien mittlerweile restauriert, bei den beiden anderen hätten die Arbeiten begonnen. Doch weil manche der in diesem Jahr zur Restaurierung anstehenden Objekte kaum noch als Himmelsboten zu erkennen sind, werden in diesem Jahr rund 50 000 Euro benötigt.

Prominente Unterstützer der Kampagne sind der Bischof der EKBO, Markus Dröge, und Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD). "Die Taufengel zeigen, dass lutherische Kirchen nicht nur nüchtern und weiß sein müssen", sagt Dröge. Sie ließen Theologie "sinnlich und sinnbildlich" erfahren. Und Münch nannte die Aktion "einfach wunderschön". Die SPD-Politikerin hatte sich schon im vergangenen Jahr als Engelfan geoutet und eine Patenschaft für den Taufengel des Lausitzdorfes Groß-Breesen übernommen, der durch ihren Einsatz wieder vollständig restauriert wurde.

Weitere Nachahmer sind erwünscht: Nach Angaben des brandenburgischen Landeskonservators Detlef Karg sind derzeit noch 46 der 150 brandenburgischen Taufengel dringend restaurierungsbedürftig. 2006 war das freilich noch bei 74 Flügelwesen der Fall.

Der Prignitzer vom 25. November 2010

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