Hoffnung für Zauer Himmelsboten

ZAUE Weil Menschen den Engeln helfen, gibt es Hoffnung für den lädierten Taufengel von Zaue. Bald könnte die Figur des Himmelsboten wieder unter der Kirchendecke schweben.

 
Der Taufengel von Zaue soll zum Schmuckstück werden.
Foto: PR

Als Jugendlicher kletterte Hans-Jürgen Schulz, der mittlerweile Ortsvorsteher und Mitglied des Gemeindekirchenrates von Zaue ist, noch auf dem Dachboden der Dorfkirche herum. Denn in dem alten Feldsteingotteshaus sollte eine Taufe begangen werden. Und wie es seit alters her Brauch war, wurde dazu der Taufengel von der Decke herabgelassen. Eine 1736 entstandene, kleinkindgroße Figur eines Himmelsboten, aus massivem Holz geschnitzt. In seinen Händen hielt er eine Schale mit Wasser, das dann der Pfarrer für die Taufe nutzte.

Heute dagegen geht es dem alten Engel dreckig: Die Flügel und Arme sind gebrochen, seit er einst von der Kirchendecke herabgestürzt ist. Mit Blechbändern sind sie an seinem Holzkörper befestigt. Und die Farbe blättert ab. Weswegen der Taufengel aus der Kirche von Zaue eine von sechs Engelsfiguren ist, die in diesem Jahr im Zentrum der Aktion "Menschen helfen Engeln" stehen. Das brandenburgische Landesdenkmalamt, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Förderkreis Alte Kirchen bitten dabei um Spenden, um die Erhaltung der für die Mark Brandenburg typischen Figuren zu sichern. Denn von den 150 Taufengeln in den Kirchen des Landes brauchen 46 dringend eine Restaurierung, sagt Landeskonservator Detlef Karg. "Auch wir in Zaue wollen natürlich unseren Taufengel irgendwann wieder für eine Taufe einsetzen", sagt Zaues Ortsvorsteher, Hans-Jürgen Schulz. Doch für die Restaurierung werden mehrere Tausend Euro benötigt.

Die könnten nun zusammenkommen: "Als die drei beteiligten Organisationen im vergangenen Jahr zum ersten Mal für märkische Taufengel sammelten, ergab das immerhin 25 000 Euro", sagt Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen. Vier der damals vorgestellten sechs Engel seien mittlerweile restauriert, an den beiden anderen Himmelsboten hätten die Arbeiten begonnen. Prominenteste Unterstützer der diesjährigen Kampagne sind der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, und Kulturministerin Martina Münch (SPD). "Die Taufengel zeigen, dass lutherische Kirchen nicht nur nüchtern und weiß sein müssen", sagt Dröge. Sie ließen Theologie "sinnlich und sinnbildlich" erfahren. Und Münch nannte die Aktion vor Journalisten "einfach wunderschön". Die SPD-Politikerin hat sich schon im vergangenen Jahr als Engelfan geoutet und eine Patenschaft für den Taufengel des Lausitzdorfes Groß-Breesen übernommen, der durch ihren Einsatz wieder vollständig restauriert wurde. Weitere Nachahmer sind erwünscht damit auch der Taufengel von Zaue bald wieder unter der Kirchendecke fliegen kann.

Von Benjamin Lassiwe

Lausitzer Rundschau vom 26. November 2010

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