RELIGION: Ein dichtes Dach ist die halbe Miete

Die Sanierung der Vehlefanzer Kirche geht dank vieler Spenden voran

VEHLEFANZ - Es ist eine langwierige Aufgabe, alle Schäden an dem alten Gotteshaus von Vehlefanz zu beseitigen. Acht bis neun Jahre haben der Gemeindekirchenrat und die Baufachleute kalkuliert. Aber selbst dieser Zeitrahmen ist nur einzuhalten, wenn es weiter gut läuft mit Fördermitteln und Spenden. In diesem Jahr hat es gut geklappt, 140 000 Euro sind inzwischen verbaut. Saniert wird von oben nach unten. Das Dach ist wieder dicht, das Gebälk wieder in Ordnung.

Auch den Vehlefanzer Kirchenmitgliedern blieben böse Überraschungen bei den Sanierungsarbeiten nicht erspart. Die Balkenköpfe waren stark vermodert. Zum Teil mehr als ein Meter mussten die Eichenbalken abgesägt und durch Kiefernköpfe ersetzt werden. Dass die Kiefer kein so hochwertiges Holz ist, spielt keine große Rolle, so lange die Balken trocken bleiben. Deshalb mussten auch die Mauerauflagen für die Holzbalken ausgebessert werden. Ein Drittel der Dachfläche ist saniert. Die neuen roten Biberschwänze zeigen genau, wie weit das Projekt vorangeschritten ist. Der Rest des Daches trägt noch die schwarzen Ziegel aus den 1970er-Jahren. Die Biberschwänze sind die historische Eindeckung der Kirche. Billig waren die Ziegel nicht. Aber die Kosten sind in den 140 000 Euro enthalten.

Ziemlich überrascht waren die Bauarbeiter, dass unter dem Dach Unmengen von Schutt lagerten. Mehrere Container wurden damit gefüllt.

Nicht nur neue Ziegel, auch neue Regenrinnen hat die Kirche bekommen, und zwar mit größerem Durchmesser, in der Hoffnung, dass das Laub gleich durch die Fallrohre nach unten gespült wird. Ihr ganzes Können mussten die Dachdecker bei der Anbindung des Kirchenschiffdaches an das Turmdach beweisen. Genau dort lag die Quelle für die großen Wasserschäden. Ausgerechnet an der Stelle, wo darunter die Orgel steht.

In den nächsten zwei Jahren werden die Bauleute noch mit dem Dach zu tun haben. 2011 soll die restliche Dachfläche erneuert werden. 2012 könnte schon der südliche Anbau in Angriff genommen werden, der auf einer Holzfachwerkkonstruktion steht. Ob die zu sanieren ist, weiß momentan niemand. Innen ist der Anbau verputzt und außen eine einfache Klinkermauer davorgesetzt worden. Zu dem Thema werden wohl die Denkmalschutzexperten das entscheidende Wort sprechen. Billig werden die Arbeiten auf keinen Fall. Deshalb kann im dritten Sanierungsjahr sicher nicht noch mehr in Angriff genommen werden. Immer vorausgesetzt, die Finanzierung läuft so gut wie bisher.

Später wird dann die Außenhülle der Kirche angegangen. Für die weichen Steine den richtigen Putz zu finden, ist sehr kompliziert. Die Bauphysiker sind sich noch nicht schlüssig, wie sie das Problem lösen können.

Der Gemeindekirchenrat hofft jedenfalls, dass das große ehrenamtliche Engagement für die Kirchensanierung nicht nachlässt. Tischlermeister Thiede aus Bötzow will beispielsweise eine Kirchenbank sanieren. So ist auch die Idee entstanden, für die Bänke Patenschaften zu vergeben. Für 1500 Euro könnten sich Spender zusammenschließen und helfen, auch die Bänke wieder in Ordnung zu bringen. Wer möchte, kann sich mit einem kleinen Schild darauf verewigen lassen. Zwölf Bänke haben schon Paten gefunden, 22 sind noch zu vergeben. Vielleicht denkt der eine oder andere darüber nach, wenn er am Sonntag beim Gottesdienst sitzt. (Von Andrea Kathert)

Märkische Allgemeine vom 03. Dezember 2010

   Zur Artikelübersicht