Flügellos und ohne Becken

von Petra Ferch

BERGE - Er stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ein unbekannter Künstler schnitzte den Taufengel aus Lindenholz. Doch die Zeiten, als man ihn bei der Taufe eines Kindes von der Kirchendecke herabließ, denn in seinen Händen trug er jene Schale mit dem Wasser, das der Pfarrer für die Zeremonie nutzte, sind lange vorbei. Und das nicht nur, weil die Schale gar nicht mehr vorhanden ist. Dem Taufengel aus Berge fehlen mittlerweile auch Flügel, Füße und Finger. Die ursprüngliche Farbgebung sei nur noch sehr schwer nachzuweisen. Pfarrer Klaus-Dieter Hanack transportiert die Holzfigur deshalb auch gar nicht mehr, damit sie nicht noch größeren Schaden nimmt.

Ursprünglich stammt die Barockfigur aus der Kirche von Hülsebeck. Als man diese 1968 abriss, "wurde er auf dem Boden der Berger Kirche eingelagert. Dort haben wir ihn gefunden, als wir 1989 kurz vor der Wende hierher kamen", erinnert sich der Pfarrer. Rund 1,50 Meter lang ist die äußerst wurmstichige Holzfigur noch. "Wir haben den Engel vor Jahren schon einmal behandeln lassen, konnten ihn aber nie in der Kirche befestigen", berichtet Hanack.

Um ihn wieder als das zu nutzen, was er ist, nämlich als Taufengel, bedarf es einer umfassenden Restaurierung. Ersten Kostenschätzungen zufolge hätten dafür 4000 bis 5000 Euro aufgebracht werden müssen. Das wird jetzt aktualisiert, denn der Berger Taufengel gehört zu jenen im Land Brandenburg, die gerettet werden sollen. Bereits im vergangenen Jahr warben die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), das Landesdenkmalamt und der Förderkreis Alte Kirchen um Spenden für die Restaurierung einiger besonders bedrohter Taufengel. Insgesamt 25 000 Euro kamen dabei zusammen, sagt der Geschäftsführer des Förderkreises, Bernd Janowski. Insgesamt sechs Himmelsboten wurden mit dem Geld gerettet bzw. befinden sich noch in den Händen von Restauratoren.

"Auch wir hatten schon im vergangenen Jahr begonnen, Spenden zu sammeln für die Restaurierung des Taufengels", betont Klaus-Dieter Hanack. Mehrere hundert Euro seien dabei zusammengekommen.

In die neue landesweite Spendenaktion wurde nun auch der Berger Himmelsbote aufgenommen. Allerdings werden für die neue Aktion nun schon rund 50 000 Euro benötigt, denn nicht nur der Berger Taufengel ist als solches kaum noch zu erkennen.

Prominente Unterstützer der Kampagne sind der Bischof der EKBO, Markus Dröge, und Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD). "Die Taufengel zeigen, dass lutherische Kirchen nicht nur nüchtern und weiß sein müssen", sagt Dröge. Und Münch nennt die Aktion "einfach wunderschön". Die SPD-Politikerin hatte schon 2009 eine Patenschaft für den Taufengel des Lausitzdorfes Groß-Breesen übernommen.

In welchen Farben der Berger Himmelsbote nach seiner Restaurierung erstrahlt, sei noch nicht vollständig geklärt, so Hanack. Fest stehe aber, dass er in der Berger Kirche wieder seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt wird. Zumal er auch "der einzige Taufengel in den Kirchen unserer Pfarrsprengel ist", spricht Hanack für sich und seine Frau Angelika, die ebenfalls als Pfarrerin arbeitet.

Der Prignitzer vom 03. Dezember 2010

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