In der blauen Phase

Die Aktion "Menschen helfen Engeln" geht in die zweite Runde

Wünsdorf.

 
Eine tolle Aktion sagen (v.l.n.r.): Landeskonservator Prof. Dr. Detlef Karg, Ministerin Dr. Martina Münch (SPD) und Bischoff Dr. Markus Dröge.
Der Taufengel aus Zaue entstand 1736 und muss dringend konserviert werden.

Es ist die Zeit der U-Boot-Christen. Was, Sie kennen U-Boot-Christen nicht? Das sind Menschen, die nur ganz selten in der Kirche auftauchen - bevorzugt zur gerade beginnenden Weihnachtszeit.

Die Kirche hat für viele Menschen in der Weihnachtszeit eine größere Bedeutung als im übrigen Jahr. Und so ist der Pressetermin, den die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg - schlesische Oberlausitz am Mittwoch anberaumte zeitlich günstig gewählt. Fast auf den Tag genau nach einem Jahr wurde zum zweiten Mal zur Aktion "Menschen helfen Engeln" aufgerufen. Hierbei geht es darum, den in brandenburgischen Kirchen weit verbreiteten und oft stark beschädigten Taufengeln ein neues Gesicht zu geben. Eine Restaurierung ist teuer und so ist die Denkmalpflege neben den Geldzuwendungen von Kommunen und Landkreisen auf private Spenden angewiesen. Mit dem Buch "Taufengel in Brandenburg", das 2006 erschien, begann sich die Aufmerksamkeit auf diese Engel zu richten, die zum Teil schwebend oder auch stehend mit einem Taufbecken in den Händen das Taufwasser reichen. 145 Engel wurden damals gezählt. Inzwischen wurden weitere fünf auf Dachböden und in Abstellräumen entdeckt. 74 Taufengel waren 2006 akut restaurierungsbedürftig. Heute sind es noch 46. Bei der ersten Aktion im vergangenen Jahr wurden 25.000 Euro gespendet. Für drei Engel wurden Patenschaften übernommen. Eine Patenschaft bedeutet die Übernahme der Komplettsanierung. "Die Gründe dafür waren verschiedener Art", so Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg: "Ein Ehepaar z.B. wollte den Engel als Schutzengel für seine fünf Enkelkinder. Eine Dame wollte mit der Patenschaft Danke sagen für ihr bisher so gutes Leben."

Während die Aktion im vergangenen Jahr frei nach Picasso "Rote Phase" benannt wurde und kennzeichnend dafür mit roten Flyern begleitet wurde, wird in diesem Jahr die "Blaue Phase" eingeläutet. Sechs Engel sind für die Restaurierung avisiert. Sie stammen aus den Kirchen in Berge, Ringenwalde, Wutike, Niebendorf, Ziemkendorf und Zaue. Die blauen Flyer, die die Aktion "Menschen helfen Engeln" begleiten, werden an die Kirchen ausgeliefert und geben Spendenwilligen Auskunft über die Aktion. Die Restaurierung eines Holzengels kostet, je nach Zustand (einer von ihnen ist nur noch fragmentarisch erhalten) 2.000 bis 15.000 Euro.

"Eigentümlich" fand der Bischoff der evangelischen Kirche Dr. Markus Dröge die Aktion, als er das erste Mal davon hörte: "Sonst sind es doch die Engel, die den Menschen helfen. In diesem Fall ist es einmal umgekehrt. Das ist eine tolle Sache."

Blickpunkt. Wochenzeitung für das Land Brandenburg vom 03. Dezember 2010

   Zur Artikelübersicht