Kanzel muss als Nächste in den Jungbrunnen

NIEBENDORF Die Niebendorfer haben am dritten Advent in ihrem Gotteshaus doppelt Grund zum Feiern. Mit dem Altar ist der erste Abschnitt bei der Sanierung der barocken Innenaussattung abgeschlossen. Zudem wird eine Glocke geweiht. Für 2011 haben Pfarrer Joachim Boekels und der Gemeindekirchenrat schon neue Pläne.

 
Pfarrer Boekels (l.) begutachte bereits mit den Gemeindekirchenräte die Kanzel.
Foto: Carmen Berg

Die Niebendorfer plagten zwei Probleme: In ihrem Kirchturm läutete nur noch eine Glocke, seit die zweite im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden war. Zudem nagte an der barocken Innenausstattung des Gotteshauses der Wurm. So begannen die Leute, sich für eine Sanierung zu engagieren. »Zuerst haben wir dabei nur an die Glocke gedacht«, erinnert sich Gertrud Lehmann vom Gemeindekirchenrat. Doch die Denkmalpfleger hätten sie überzeugt, dass die Ausstattung der Kirche noch dringlicher Geld nötig hätte, so die Niebendorferin.

»An den Altargemälden war die Farbe teils bis aufs Holz abgeblättert«, denkt Pfarrer Boekels zurück an das Jahr 2008, als er seinen Dienst in der Gemeinde antrat. Förderanträge wurden auf den Weg gebracht, 6000 Euro an Spenden gesammelt. Im Herbst 2009 begann Restaurator Dirk Jacob aus Berlin mit den Arbeiten am Altar. Behutsam hat er Farbreste mit Fischleim verfestigt und Fehlstellen retuschiert. Auch die Gloriole, den hölzernen Strahlenkranz über dem Altar, hat er ausgebessert. Jetzt ist der barocke Schatz ansehnlich wie einst.

»Im nächsten Jahr sollen in einem zweiten Bauabschnitt Kanzel und Taufengel in die Kur«, kündigt Pfarrer Boekels an. Finanzielle Hilfe aus verschiedenen Töpfen für das rund 22 000 Euro teure Vorhaben stehe in Aussicht, sagt er.

Die Schäden an der Kanzel sind weithin sichtbar. Gedrechselte Weinreben waren so wacklig, dass die Niebendorfer sie mit Angelsehne festbinden mussten. »Vom Taufengel allerdings wussten wir lange nicht, dass wir überhaupt einen haben«, erzählt Almut Niklowitz.. Durch Zufall hätten die Restauratoren ihn unter Tüchern auf dem Dachboden der Kirche entdeckt. Pfarrer Boekels erklärt, im Barock sei es in den Kirchen mit immer üppigerer Ausstattung eng geworden. So seien die Engel in Mode gekommen, die von der Decke heruntergelassen wurden und die Taufschale hielten. Für die Restaurierung der Figur, die rund 8000 Euro kosten wird, fließt Geld aus der Gemeinschaftsaktion »Menschen helfen Engeln« von Kirche und Denkmalschutz.

Die Niebendorfer hätten es nicht bereut, dass sie bei der Kirchensanierung auf die Denkmalschützer hörten, sagt Gerd Queißer vom Gemeindekirchenrat. Denn trotzdem sind sie inzwischen auch zu ihrer zweiten Glocke gekommen. Eine private Spende von 7000 Euro, die Gerd Queißer »ein kleines Wunder« nennt, machte den Guss möglich. Am dritten Advent erklingen die Glocken erstmals seit langer Zeit wieder im Doppelpack. Das Probeläuten hat Gerd Queißer auf Video aufgenommen. »Wunderbar«, so sein Urteil.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 10. Dezember 2010

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