Orgelklang erfüllt wieder Gotteshaus

von Doris Ritzka

 
Der Rabbachsche Singekreis stimmte mit weihnachtlichen Weisen auf die Zeit des Lichtes und der Besinnung ein.
Christian Reishaus an der restaurierten Orgel, die fortan wieder regelmäßig erklingen soll.
Doris Ritzka

GROß GOTTSCHOW - Der Klang der Orgel ist schon etwas Besonderes. Wenn dieser nach rund 40 Jahren wieder eine Kirche erfüllt, dann rührt das das Herz, weiß Pfarrer Matthias Frenzel.

Am Samstag war es so weit: Christian Reishaus ließ die Königin der Instrumente ertönen. 411 Pfeifen hat die restaurierte Lütkemüller-Orgel, doch 1992 waren es nur noch 1000 Einzelteile, die man sicherstellte. Die Feuchtigkeit, die sich durchs kaputte Dach ungehindert den Weg suchte, hatte das Instrumente, das 1863 von dem Wittstocker Orgelbauer geschaffen wurde, arg gezeichnet. Bevor es aber restauriert werden konnte, "gab es Dringenderes" , weiß Gerhard Engel, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Das Dach musste neu gedeckt werden, die Fenster restauriert. 2001 war das geschafft, doch noch immer saß die Feuchtigkeit im Mauerwerk, bedrohte der Schwamm die Bausubstanz.

Aktion "Groß Gottschow 2010" : Viele machten mit

"Schritt für Schritt haben wir weiter gemacht", so Matthias Frenzel. Der Apsisbereich erhielt mit Zustimmung der Denkmalpflege eine Dachrinne, der Sockelbereich wurde trockengelegt, alles neu verputzt, der Fußboden schließlich neu verlegt. 2008 dann entschloss sich die Kirchgemeinde, die Orgel restaurieren zu lassen. Zwischen 90 000 Euro und 22 000 Euro schwankten die Angebote, erinnert sich Pfarrer Frenzel. Für letzteres und Johannes Soldan, der als Spezialist für die Restaurierung von Lütkemüller-Orgeln gilt, entschied man sich. Viel Geld war es dennoch, was aufzubringen war. "Groß Gottschow 2010", mit diesem Slogan wandte man sich an Stiftungen und Sponsoren. 2010 stand da als Jahreszahl und als erhoffte Spendensumme. VR-Bank, die Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse, die Gemeinde Plattenburg, der Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge, sie alle zogen mit und von der EKU-Stiftung kamen sogar 5000 Euro. Den nicht unerheblichen Rest brachte die Kirchgemeinde, die rund 60 Mitglieder zählt, selbst auf. "Ich kenne kaum gebefreundlichere Gemeindeglieder", so der Pfarrer voller Stolz. Und er belegt das mit weiteren Zahlen. Denn fast 14 000 Euro spendeten die Groß Gottschower für den Erhalt und die Sanierung ihrer Kirche seit Beginn der Arbeiten 1999. Über 80 000 Euro wurden mittlerweile dafür ausgeben, 48 Prozent waren Fördermittel, 35 Prozent Gelder der Kirchgemeinde aus Verkäufen, Pachten und dergleichen.

In der Kirche, die 1999 fast schon dem Einsturz geweiht war, erklingt heute die Orgel, rufen längst wieder die Glocken zum Gottesdienst. Ein Verdienst vor allem der Groß Gottschower selbst, die stets mit Hand anlegten. Und ein Dankeschön richtete Pfarrer Frenzel auch an Peter Wieck und Dr. Andreas Draeger, die das Baugeschehen in jeder Phase begleiteten. Baustelle ist die Kirche aber auch weiterhin. "Es fehlt noch der Anstrich und die Restaurierung der Spruchbänder", so der Pfarrer zu dem nächsten Vorhaben. Samstag aber ließ man sich erst einmal verzaubern von dem Klang der alten, neuen Lütkemüller-Orgel und dem Gesang des Rabbachschen Singekreises.

Der Prignitzer vom 13. Dezember 2010

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