KULTUR: Gewappnet für die nächste Zeit

Nach einem Jahr voller Neuerungen für die Putlitzer Kirche soll eine Initiative den Erfolg fortsetzen Aufgaben gäbe es

PUTLITZ - Bevor der Kirchgänger dieser Tage in Putlitz seine Stimme hebt, sei ihm geraten: Es ist kein Weihnachtslied, dieses "Ein feste Burg ist unser Gott". Es gehört in die Reformationszeit. Und "Herr mach uns frei" dürfte schlicht ein Bibelspruch sein. Diese beiden Zeilen liest jetzt auch jeder andere, der Weihnachten mal wieder in die Putlitzer Stadtkirche kommt. Dort in dem Schiff unter der erneuerten Turmspitze samt Uhr und Wetterfahne mit Dokumentenkugel blicken auch wieder Apostelfiguren von der Empore.

Zwischen zweien von ihnen lassen sich jetzt aber nicht nur die genannten Zeilen entdecken. Auch die alten Wappen der Patronatsfamilien sind seit kurzem wieder da. "Sehr genau getroffen, gut gelungen", bezeichnet Bernhard von Barsewisch diese sechs quadratischen Holzplatten. Sie verweisen auf die alte Patronatsloge und nennen die Namen der Stifter des Kirchenumbaus vor mehr als 100 Jahren.

Der in Groß Pankow lebende von Barsewisch kennt sich aus, geht es doch im weitesten Sinne um Familienmitglieder. Um deretwillen hatte er sich auch bemüht, dass die Tafeln wiederhergestellt werden. "Dass die Wappen Mitte der 1990er Jahre entfernt wurden, bemerkte ich erst, als sie schon weg waren." Man hatte die Empore beige gestrichen.

Unter dieser Farbe dürfte die alte Bemalung aus der Zeit um 1920 noch vorhanden sein. Anhand zeitgenössischer Kopien, einst angefertigt für eine der erwähnten Adelsfamilien, begann eine Berliner Restauratorin, neue Tafeln zu entwerfen. Diese Felder gab die Kirchengemeinde in Auftrag, finanziert von Gebhard zu Putlitz. Unvergessen bleiben damit die Kirchenpatrone, wie sie Bernhard von Barsewisch erläutert: Vera von Helldorf war die aus Sachsen stammende Frau des Siegfried Gans Edlen Herrn zu Putlitz. Sie trauten sich 1922. Die Familien der Gans Edlen Herren zu Putlitz der Sitze Burghof und Philippshof sind mittig erwähnt. Am rechten Rand folgt Freiin Adelheid Hofer von Lobenstein, die Walter Gans Edlen Herrn zu Putlitz 1898 geehelicht hatte.

Beinahe vergessen lagerten die Tafeln acht Jahre bei der Restauratorin. Im Zuge des Kirchturmprojekts erinnerte man sich wieder, sagt Pfarrer Volkhardt Spitzner: "Ursprünglich war sogar die gesamte Empore farblich gestaltet, vielleicht ist das wieder so hinzubekommen." Es gebe sogar eine Abfilmung des Kircheninneren kurz vor der Renovierung. Viel mehr Sorgen aber bereiten dem Pfarrer einige Risse im Mauerwerk der Kirche. Die Lösungssuche für solche und auch weitere Dinge könnte Aufgabe einer neuen Initiative sein (siehe Infokasten).

Am heutigen Heiligabend beginnt 17 Uhr in der Kirche das Krippenspiel. (Von Matthias Anke)

Neuer Initiativkreis denkbar:

Der Putlitzer Pfarrer Spitzner lädt zu Samstag, 22. Januar, ins Pfarrhaus ein. Ab 10 Uhr werden Ideen gesammelt in Fortsetzung des sich auflösenden Fördervereins Kirchturmspitze. Es geht darum, die Kraft, die sich dieses Jahr zeigte, nicht verpuffen zu lassen. Entstehen müsse kein neuer Verein, es reiche ein Initiativkreis: "Über die Gottesdienste hinaus rückte unsere Kirche als Bauwerk ins öffentliche Interesse. Schaut man genauer hin, entdeckt man viele Aufgaben", sagt der Pfarrer. Er nennt Orgelinstandsetzung, Emporenbemalung und eine Dauerausstellung zur Stadt- und Kirchengeschichte.

Märkische Allgemeine vom 24. Dezember 2010

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