BAUEN: Heimkehr ins sanierte Gotteshaus

Die Seegefelder Kirche ist wieder nutzbar / Noch schweigen die Glocken

FALKENSEE - Die schlechte Nachricht: Erstmals werden zur Weihnacht die Glocken der ältesten aller Falkenseer Kirchen schweigen. Die gute Nachricht: Die Kirche ist nach halbjähriger Schließzeit wieder nutzbar. Somit wird sich heute das Tor der Seegefelder Kirche zu den Christvespern, dem Krippen- und Weihnachtsspiel öffnen.

In dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Gotteshaus war im Kirchenschiff eine neue Decke eingezogen worden. Die alte Dachkonstruktion hatte sich als nicht mehr tragfähig erwiesen und musste durch eine neue ersetzt werden. Dabei entdeckten die Handwerker auch, dass bereits an einer zentralen Stelle die Kirchenwand von Schwamm zersetzt war. Die Spezialisten beseitigten den Schaden. Die Wunde ist noch immer sichtbar.

Auch fehlt der Kirche ihr prächtiges barockes Interieur Altar, Kanzel, Taufstein. Sie wurden zwecks Baufreiheit ausgelagert. "Bei der Demontage fiel uns die Kanzel auseinander", berichtet Pfarrerin Gisela Dittmer. Zwar war das kunstvolle Kanzel-Relief erst 2006 restauriert worden, nicht aber der Baukörper. Ähnlich sieht es bei der Taufe aus. Wieder muss Geld aufgetrieben werden, um Restauratoren bezahlen zu können.

Ursprünglich sollten nur der Dachstuhl überm Kirchenschiff und ein paar Balkenköpfe im Turm erneuert werden. Doch auch hier erlebte die Kirchengemeinde eine böse Überraschung: Das gesamte Dach des Turmes musste runter und selbst das Mauerwerk, auf dem die Balken ruhten, erwies sich stellenweise als instabil. Es musste durch gesunden Stein ersetzt werden. "Eine Woche nach dieser Erkenntnis kam der Schnee", sagt die Pfarrerin. Und obwohl sie noch versucht hatten, heiße Luft in den Turm zu blasen, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen, mussten sie letztlich einsehen: Jetzt ist eine Bauunterbrechung das Vernünftigste. So wurde der Turm in Folie wetterfest verpackt. Damit sind auch Glocken und Turmuhr weiterhin zum Stillstand verurteilt. Sie schlummern in ihrer schützenden Plastehülle dem neuen Jahr entgegen. Doch wenigstens die Orgel ist wieder von ihrem Schutzgehäuse befreit worden und kann heute in vollem Klang verkünden: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. (Von Hiltrud Müller)

Märkische Allgemeine vom 24. Dezember 2010

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