Kirchenstraße Elbe-Elster als Schlüsselprojekt für Tourismusentwicklung

ELBE-ELSTER-KREIS Die "Kirchenstraße Elbe-Elster" ist eines der ehrgeizigsten Tourismusprojekte im Elbe-Elster-Kreis und an einem entscheidenden Punkt angekommen. Seit kurzem liegt eine Machbarkeitsstudie zur Konzeptentwicklung vor, die am 20. Januar um 17.30 Uhr im Drandorfhof in Schlieben der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.

 
Die Kirche in Arnsnesta direkt an der Grenze zu Sachsen-Anhalt stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Foto: Sven Gückel/svg1

Dr. Juliane Stückrad vom Büro für Archäologie, Bauforschung und angewandte Kulturforschung in Eisenach hat die 181 Seiten umfassende Studie zur Kirchenstraße Elbe-Elster erarbeitet. Darin beschäftigt sie sich mit der Geschichte und der Identität im Elbe-Elster-Kreis, mit dessen natürlichen, wirtschaftlichen und touristischen Bedingungen und analysiert das touristische Entwicklungspotenzial für das Kirchenstraße-Projekt.

45 Kirchen von Ahlsdorf bis Werenzhain sind derzeit in das Vorhaben eingebunden. Dr. Juliane Stückrad hat deren kunsthistorische Entwicklung beleuchtet und zu jeder einzelnen Kirche Kategorien wie Erreichbarkeit, Ortsgeschichte, kunsthistorische Darstellung, Nutzung, Zugänglichkeit, Alleinstellungsmerkmale, touristische Vernetzungen und Kontakte herausgearbeitet. Weiterhin gibt sie zu jeder Kirche spezifische Empfehlungen.

Die Archäologin und Bauhistorikerin hat in Anlehnung an die Mitteldeutsche Kirchenstraße neun Wege und Routen entwickelt, die mehrere Kirchen nach thematischen und topografischen Gesichtspunkten miteinander verbinden. Sie schlägt in der Studie vor, die Nähe zu den Lutherstätten in Wittenberg, dem Jacobsweg Frankfurt/Oder-Leipzig und dem Ökumenischen Pilgerweg Görlitz-Vacha zu suchen, um »von den Erfahrungen mit den spirituell Reisenden in jenen Regionen zu profitieren.«

Im Vorfeld der Studie, so schreibt Dr. Stückrad in ihrer Einleitung, hat sie zahlreiche Gespräche mit Akteuren vor Ort geführt, sie nach ihren Wünschen und Vorstellungen, den Besonderheiten der Kirchen, dem Gemeindeleben, der Kirchenführerausbildung und möglichen Bedenken gegenüber dem Projekt befragt. Die Entwürfe für die Wege und Routen wurden dann mit den Mitgliedern des Vereins »Wald und Heideland« diskutiert.

Der Verein hat diese Studie in Auftrag gegeben. Ende 2009 reichte das Land dafür und für die Kirchenführerausbildung 99 000 Euro Fördermittel aus. Mittlerweile haben etwa 100 Interessenten des Landkreises den ersten Teil der Kirchenführerausbildung zu Rhetorik, Regionalgeschichte und Kirchenbaugeschichte an der Volkshochschule absolviert. Diese Ausbildung, so empfiehlt es Dr. Juliane Stückrad, soll jetzt zusätzliche Bildungsinhalte zu den einzelnen Wegen sowie über Kenntnisse zu christlichen Glaubensinhalten und regionalhistorischen Prozessen enthalten.

Die Wissenschaftlerin konstatiert, dass das Projekt »Kirchenstraße Elbe-Elster« eine Chance bietet, weitere Besucher erfolgreich anzuwerben. »Das Projekt muss als Schlüsselprojekt in der Tourismusentwicklung des Landkreises kommuniziert werden«, schreibt sie. Sie hat in der Studie konkrete Aufgaben zur Umsetzung des Projektes herausgearbeitet und sie einer Zeitschiene zugeordnet. Dazu zählen Inhalte, die Beschilderung, die Homepage, eine Veranstaltungsplanung, die Vermarktung oder die Projektpflege durch Arbeitsgruppen.

Den Mitgliedern des Vereins »Wald und Heideland« wurde die Studie bereits vorgestellt. Zum 20. Januar laden der Vereinsvorsitzende Ulrich Hartenstein und Dr. Juliane Stückrad alle Interessierten und möglichst viele Mitstreiter nach Schlieben in den Drandorfhof ein, um die Vorschläge gemeinsam zu diskutieren.

Birgit Rudow

Lausitzer Rundschau vom 06. Januar 2011

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