Glocken rufen wieder zur Andacht

von Doris Ritzka

 
Blick auf den Altar der Dergenthiner Kirche.
Doris Ritzka

DERGENTHIN - Für zirka 150 000 Euro wurden im vergangenen Jahr das Dach komplett saniert und der Holzwurmbefall der Dergenthiner Kirche bekämpft. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege wies bereits mit Nachdruck auf die Notwendigkeit dieser Arbeiten hin, denn durch den Anobium punctatum, den gemeinen oder gewöhnlichen Nagekäfer, war die Substanz des Innenausbaus bedrohlich gefährdet. Gleiches traf auf das überaus marode Kirchendach zu. Wasser bahnte sich hier seit Jahren seinen Weg über das Tonnengewölbe, Deckenbalken- und Sparenköpfe waren verfault, "es gab kaum einen Schädlingsbefall, der nicht nachgewiesen wurde", so Pfarrer Albrecht Preisler.

Schwammsanierung war aber nicht nur an Teilen der Dachkonstruktion notwendig, auch das Mauerwerk war teilweise schon in Mitleidenschaft gezogen, musste in Ordnung gebracht werden. Für zwei, drei der Kirchenfenster reichte das Geld auch noch, "aber eben nicht für alle", wie der Pfarrer betont. Auch am Turm bestünde Sanierungsbedarf. Zwar wurde er zur Wende komplett auf Vordermann gebracht, doch offenbar nicht so fachgerecht, dass die Arbeiten etliche Jahrzehnte von Bestand sind. Geschuldet den Finanzen werde dieses Vorhaben notgedrungen zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff genommen. Ebenso wie die notwendigen Natursteinarbeiten an den Türschwellen und -bögen. Wann all das erfolgen kann, stehe derzeit aber noch in den Sternen. "Ursprünglich hatten wir den zweiten Bauabschnitt für 2013 geplant, doch Landesdenkmalamt, die Denkmalbehörde des Landkreises und auch unser kirchliches Bauamt plädieren dafür, nicht so lange zu warten", sagt Preisler. So sei man derzeit dabei, ein Finanzierungskonzept zu erarbeiten. Rund 80 000 Euro sind noch einmal von Nöten, um die noch ausstehenden Sanierungen durchzuführen. "Dann ist die Dergenthiner Kirchen in ihrer Bausubstanz komplett auf Vordermann gebracht." Allerdings kann noch niemand sagen, wann das ist. Der Knackpunkt, die Frist, um in eine Förderung für 2011 zu gelangen, ist längst abgelaufen und 80 000 Euro sind für die kleine überaus engagierte Kirchgemeinde allein mehr als eine Nummer zu groß. Dabei steht außer Zweifel, das ganze Dorf identifiziert sich mit seiner Kirche. So packten viele, nicht nur Gemeindemitglieder, mit zu, als nach der Sanierung um die Kirche herum das Umfeld wieder hergerichtet, sprich Erdreich abgetragen werden musste. Und auch beim Großreinemachen halfen viele. Ihnen dankte Pfarrer Preisler ganz besonders beim Gottesdienst am Heiligabend.

Einmal im Monat werden nun auch wieder die Glocken der Dergenthiner Kirche zum Gottesdienst rufen, im Winter findet dieser in der Winterkirche statt. Und insgeheim verbindet Pfarrer Preisler damit auch die Hoffnung, dass als bald hier auch wieder Brautleute vor den Altar treten. "Die letzte Trauung hatten wir 2000. Es fehlt ein wenig an Leuten im heiratsfähigen Alter", fügt Pfarrer Preisler an.

Die Dergenthiner Kirche entstand im 15. Jahrhundert, ist ein spätgotisches einschiffiges Kirchengebäude, das aus einem einzigen, saalartigen Raum besteht. Errichtet wurde sie in klassischer Bruch- und Feldsteinbauweise. 1915 vernichtete ein Feuer das Gotteshaus bis auf die Grundmauern. Die Gemeinde beschloss, jenes originalgetreu wieder aufzubauen. "Was in den 1920er Jahren entstand, war neogotisch, die Dergenthiner Kirche hingegen wurde neobarock. Nur noch zwei weitere Kirchen dieser Art gibt es in der Prignitz bzw. im Kreis Ostprignitz-Ruppin", berichtet der Pfarrer.

Das Vorhaben am Dergenthiner Gotteshaus war eines der größten, das der Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge im vergangenen Jahr in Angriff nahm, bestätigte Dr. Andreas Draeger, Vorsitzender des Bauausschusses des Kirchenkreises.

Der Prignitzer vom 07. Januar 2011

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