Ihlower Kirche gibt Rätsel auf

Ihlow (moz) Absperrbänder an der Kirche im Oberbarnimer Ortsteil Ihlow machen deutlich, dass das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk dringend gesichert werden muss. Frank Witte hofft, dass die Arbeiten bald aufgenommen werden können.

Frank Witte lebt seit 2004 mit seiner Familie auf dem sogenannten Geschehof in Ihlow, dessen Grundmauern schon im Dreißigjährigen Krieg gestanden haben sollen. Das einstige Bauerngehöft beherbergt heute Wittes Antiquariat in der Scheune. Ab Ostern wird er es sonntags wieder regelmäßig von 12 bis 18 Uhr öffnen. Wenn er da ist, schickt er aber auch sonst niemanden weg. Das gilt genauso für Ihlow-Besucher, die nach der Kirche fragen.

Auf die weist seit Kurzem auch das im Zuge der Oberbarnimer Feldsteinroute angebrachte Schild vorn an der Straße nach Reichenberg. Zugezogene wie Frank Witte haben neuen Schwung ins Dorf gebracht. Und das wird anerkannt. So hat ihn die kleine Kirchengemeinde inzwischen zu ihrem Ältesten bestimmt. "Die Besetzung dieses Amtes ist wichtig", erklärt der 39-Jährige nicht nur mit Blick auf die dringend notwendigen Sicherungsarbeiten an der Kirche. Mit einem Kirchenältesten als Ansprechpartner im Ort seien zum Beispiel auch Bestattungen auf dem Kirchhof möglich.

Im Moment stehen dort Baumpflegearbeiten an. Doch die haben nichts mit den bereits durch ein Sanierungskonzept untermauerten Maßnahmen zu tun, die so hofft Frank Witte noch in diesem Jahr begonnen werden. Fördermittel seien über Pfarrer Christian Kohler beantragt. Das Aufbringen der Eigenmittel stelle aber das größte Problem dar. Nach dem ersten und auf 350 000 Euro bezifferten Bauabschnitt wären diese bereits aufgezehrt. Deshalb will Frank Witte demnächst die Handwerker im Ort ansprechen. Eigenleistung nennt er das Stichwort. Die Feuerwehr habe bereits ihre Bereitschaft signalisiert.

Wohl auch, weil die Ihlower selbst neugierig sind. Denn: Ihre Kirche birgt noch so manches Geheimnis. Etwa, wohin der Geheimgang an der Südseite führt. Auch, was genau es mit dem Schachbrettstein auf sich hat, sei so Witte nicht mehr bekannt. Dafür jedoch, dass es einst Anbauten mit einer Loge für den Gutsherrn bzw. einer Familiengruft derer von Ilo, teils auch Ihlo geschrieben, bzw. ihrer Nachfolger von Bredow gab. Letztere sei erst nach Kriegsende 1945 abgerissen worden.

Ginge es nach Frank Witte, sollte im Zuge der Restaurierung das Mittelfenster in der Apsis wieder geöffnet werden. Die Apsis zählt ebenfalls zu den Besonderheiten der Kirche, weiß der vierfache Vater und verweist darauf, dass die meisten solcher Wölbungen wie zum Beispiel im benachbarten Grunow erst später angefügt worden sind. In Ihlow stammt sie jedoch wie der Rest des Baukörpers aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Auch die alte und herrlich klingende Glocke sei noch erhalten.

Und möglicherweise schlummert unter der zentimeterdicken Kalkschicht ein weiterer Schatz: mittelalterliche Wandmalereien in einer Ausdehnung, wie es sie andernorts in der Region nicht mehr gibt. "Teile davon wurden bereits 1993 freigelegt", sagt Frank Witte, wohl wissend, dass das Wiederherstellen alter Zugänge oder auch der Wandbemalung bei den Kosten bisher nicht berücksichtigt sind. Auch deshalb werde man bei den für 2011 vorgesehenen Veranstaltungen, darunter ein Konzert der vom Kultur- und Tourismusamt Märkische Schweiz organisierten Reihe "Feldstein und Musik", wieder um Spenden bitten.

Wer die Sanierung unterstützen möchte, kann seine Spende auch auf das Konto 3778770 bei der Evangelischen Darlehensgenossenschaft, BLZ 10060237, überweisen.

Märkische Oderzeitung vom 12. Januar 2011

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