Eine ganz besondere Aufgabe

HOSENA Im Jahr 2013 feiert die Kirchgemeinde im Ort den 100. Jahrestag der Kirchweihe. Auf Pfarrer Gerd Simmank wartet bis dahin eine schwere Aufgabe: Er organisiert federführend, dass die Rekonstruktion zustandekommt und wirbt zudem um Spenden. Für den 50-Jährigen ist diese Aufgabe etwas Spezielles: Als Hosenaer hat er eine besondere Beziehung zu diesem Gotteshaus.

 
Gerd Simmank möchte in diesem Jahr möglichst viel Geld für die Rekonstruktion der Hosenaer Kirche sammeln.
Foto: Sascha Klein

Gerd Simmank würde die Hosenaer Kirche selbst mit verbundenen Augen wiedererkennen: »In der Kirche herrscht ein ganz besonderer Geruch«, sagt er. Doch wonach riecht es? »Denkmalschützer haben einmal zu mir gesagt, dass es Holzschutzmittel sein könnte«, erzählt der Pfarrer, der unter anderem für Hosena zuständig ist. Er kennt diesen Ort seit Kindertagen, ist dort getauft und konfirmiert worden. Auch als Jugendlicher hat es ihn immer wieder in die Kirche gezogen: »Wenn andere tanzen gegangen sind, bin ich in die Kirche.« Als 13-Jähriger hatte er begonnen, in der Küsterei zu dienen, bis 1975 musste die Glocke noch per Hand gezogen werden, erinnert er sich. In all der Zeit hat sich wenig in der Jugendstil-Kirche verändert. Inzwischen nagt der Zahn der Zeit an allen Ecken.

Sanierer wider Willen

Doch anlässlich des 100. Jahrestages der Kirchweihe am 14. September 2013 soll der Innenraum in neuem, alten Glanz erstrahlen, nachdem das Gebäude von außen bereits saniert worden war. Für Gerd Simmank, den gelernten Zimmermann, ist dies fast schon eine bekannte Aufgabe neben seiner eigentlich Tätigkeit als Pfarrer. Er hat bereits in Geierswalde, Laubusch, Schwarzkollm, Bernsdorf und Hohenbocka die Bauarbeiten an den Kirchen maßgeblich begleitet: »Ich gelte manchmal schon als Kirchenrenovierer«, sagt er ein wenig spöttisch. »Alle denken, ich wäre so ein Baulöwe.« Diesen Stempel möchte er gar nicht aufgedrückt bekommen. Der Mann, der sich nicht gerne im Rampenlicht sieht, war jedoch immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort - wenn es darum ging, Gotteshäuser wieder herzurichten. Auch in Hosena ist das so, die jüngste Sanierung in Hohenbocka hat Simmank noch deutlich im Kopf. »Meine Taufkirche soll aber die letzte sein, die ich wieder herrichten muss«, sagt er.

Das Hoffen auf Spenden

Dass viel getan werden muss, sieht jeder, der in dem großen Kirchenschiff mit seiner Holzgewölbedecke steht. Die Wände sind dunkel, die große Orgel von Schlag & Söhne ist nicht mehr spielfähig, die Heizung muss erneuert werden, und auch an der Apsis - dort, wo der Altar steht - müsste nach fast 100 Jahren Hand angelegt werden. Simmank schätzt die Baukosten grob auf 200 000 bis 250 000 Euro und hofft, dass sich die Hosenaer, wie schon bei der Sanierung der Außenhaut, mit Spenden an den Baumaßnahmen beteiligen. Dafür möchte er in einem Brief bei allen im Ort werben.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich nicht nur die Welt verändert, sondern auch die Bedeutung der Kirche als Versammlungsort: Nachdem die Hosenaer kein Pfarrhaus mehr haben, möchte Simmank vor allem die Kirche für Veranstaltungen nutzen. »Das Denkmalamt soll auch merken, dass es ein Versammlungsraum der Kirche ist und kein Museum«, sagt der 50-Jährige.

Zwei Jahre Zeit ist wenig

Die Zeit bis 2013 erscheint noch lange, doch Gerd Simmank weiß, dass zweieinhalb Jahre wie im Flug vergehen können - wenn vielschichtige Bauarbeiten anstehen. »Vielleicht schaffen wir es bis 2013 auch gar nicht«, sagt er. Sein Wunsch ist jedoch, im kommenden Jahr mit den ersten sichtbaren Schritten zu beginnen. »Vielleicht machen wir zuerst die Apsis und die vordere Wand«, überlegt er laut. Um umgehend festzustellen, dass viele kleine Schritte zum einen länger dauern und zum anderen auch zu höheren Gesamtbaukosten führen. Diese Erfahrungen hat er bei all den Bauprojekten des vergangenen Jahrzehnts gemacht. Trotz aller Widrigkeiten und den Fragen nach der Finanzierung hat der 50-Jährige eine Hoffnung: »Ich möchte natürlich gerne, dass wir bis zum 14. September 2013 fertig sind.«

Gerd Simmank ist für die Kirchgemeinden Bernsdorf, Laubusch, Hosena und Hohenbocka zuständig.

Zum Thema:

HintergrundHosena gehörte bis zum Jahr 1908 zur Kirchgemeinde Lauta-Dorf und erhielt erst dann einen eigenen Pfarrer, so Gerd Simmank. Der Ort war Ende des 19. Jahrhunderts deutlich gewachsen, nachdem die Kohle- und Glassandvorkommen in der Region entdeckt worden waren und eine Zugverbindung bestand. Von 1908 bis 1913 gab es in der Hosenaer Schule einen Raum für Gottesdienste und Taufen - den Klassenraum Nummer sieben. Pfarrer Suchar hat schließlich den Kirchbau ab dem Jahr 1912 geleitet. Kurz vor der Kirchweihe am 14. September 1913 wurde er jedoch abberufen.

Von Sascha Klein

Lausitzer Rundschau vom 21. Januar 2011

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